Zwei Bergener Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts

OZ v. 17.3.1977

Friedrich Carl Arndt und Johann Jacob Grümbke

Friedrich Carl Arndt war der Lieblingsbruder Ernst-Moritz Arndts und wurde am 19. Januar 1772 in Groß-Schoritz geboren. Nach dem Studium der Jura in Greifswald wirkte er ab 1799 in Bergen zunächst als Advokat, dann als Prokurator am Kreisgericht und schließlich von 1809 bis 1815 als Stadtrichter und „gelehrter Bürgermeister“ (Bergen besaß damals stets zwei Bürgermeister).

Dieser äußerst geistvolle Mensch stellte sich gegen das Junkertum, das er in Bauernprozessen bekämpfte 1806 schrieb er: „Die Halunken haben in dem letzten halben Jahrhundert das Beste zerstört, was in diesem süßen Ländchen war: Wo haben wir noch Bauerndörfer?“ Idealistisch hoffte er auf eine Umstellung der Adligen und der gesellschaftlichen Verhältnisse, nachdem 1806 die Leibeigenschaft aufgehoben wurde.

Mit 43 Jahren starb Carl Friedrich Arndt am 2. Juni 1815 in Stralsund. Seine Grabstelle gilt als unbekannt. Dagegen vermutete der Garzer Heimatforscher E. Wiedemann, dass er in Bergen im Eckgebäude des Marktes, dem heutigen Haus Karl-Marx-Platz Nr. 1, neben der großen Kastanie gewohnt habe (Vgl. dazu auch E. Hildebrandt, 350 Jahre Stadt Bergen. Putbus, 1963, S. 53 ff.)

Ernst-Moritz Arndt veröffentlichte den literarischen Nachlass seines Bruders in Teil 1 der „Schriften für und an seine lieben Deutschen“.

Ein Zeitgenosse, und gleichfalls eng mit Ernst-Moritz Arndt verbunden war Johann Jacob Grümbke, der am 6. September 1771 in Bergen geboren wurde und oft als „Vater der rügenschen Heimatforschung“ bezeichnet wird. Grümbke war sehr vielseitig – so ist er auch als Zeichner und Dichter bekannt – und wie Friedrich Carl Arndt schrieb „für Bergen viel zu gelehrt; er könnte jeden Tag Professor der Botanik oder Physik werden“.

Alter Friedhof Bergen, Grabstätte Johann Jacob Grümbke 2008

Alter Friedhof Bergen, Grabstätte Johann Jacob Grümbke 2008

So erhielt er 1830 auch die Würde eines Ehrendoktors der Universität Greifswald verliehen. Seine bedeutendste Arbeit erschien 1819 unter dem Titel „Neue und genaue geographisch-statistisch-historische Darstellungen von der Insel und dem Fürstenthum Rügen“. Sie ist die grundsätzliche Basis jeglicher Forschung auf Rügen.

Wenn auch das persönliche Leben Grümbkes weitgehend unbekannt blieb, so ist seine fortschrittliche Weltanschauung durch schriftliche Quellen bezeugt. Auch er verfiel in Pessimismus und Resignation – gestützt durch das Leiden an Gesichtskrebs – und zog sich als Junggeselle in die Isolation zurück. In seiner Wohnung oberhalb der einstigen „Löwen-Apotheke“ am Markt starb er am 23. März 1849. Seine Grabstelle auf dem alten Bergener Friedhof ist zwar bekannt, sie könnte jedoch besser gepflegt werden. Von seinem Nachlass scheint nur einiges in das Bergener Kirchenarchiv gelangt zu sein.

Wir achten und ehren in Friedrich Carl Arndt und in Johann Jacob Grümbke zwei rügensche Persönlichkeiten, deren Streben dem gesellschaftlichen Fortschritt, der Freiheit und Würde des Menschen galt.

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