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Garz auf Rügen – die älteste Stadt Rügens

Die Anfänge der Stadt Garz – vor fast 700 Jahre begann alles!

Es ist wohl wenig bekannt, dass der ländliche Ort Garz im Südwesten Rügens die älteste Stadt Rügens verkörpert. Die Stadt Garz besaß bereits 1319 – sie hat demnach ihr 700jähriges Stadtjubiläum in zwei Jahren vor sich – einen städtischen Rat und eigene Gerichtsbarkeit. Einen Markt, Stadttore oder eine Stadtmauer hatte Garz nie. Man nutzte aber die Lange Straße/Ecke Lindenstraße als Markt. Das älteste Garzer Stadtbuch der Jahre 1351 bis 1586 ist nicht nur für Garz eine einmalige Geschichtsquelle.

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Abb. 1. Garz. Blick vom Süden auf die Backsteinkirche. Aufnahme: A. Leube 2006.

Seit dem Jahre 1353 sind eine Fülle von Handwerkern, wie Schuster, Schneider, Bierbrauer, Müller, Gerber, Schlächter, Schmiede, Töpfer, Maurer usw., die sich später in mindestens sechs Gilden organisierten, nachgewiesen. Seit 1438 durfte auch Tuchhandel betrieben werden. An das enge Zusammenleben von Handwerkergruppen erinnern die Schmiede- und Töpferstraße sowie der „Kütergang“ (Fleischerstraße). Die Fleischer-Innung umfasste im Jahre 1901 allein 19 Meister, die fünf Gesellen ausbildeten. So richtete 1873 Carl Pieck in der Lindenstraße eine Fleischerei ein. Diese einst handwerklich orientierte Stadt hatte recht früh eine sozialdemokratische Ausrichtung. 1874 wählten von etwa 210 Wählern nahezu 170 – also etwa 80% der abgegebenen Stimmen – den Sozialdemokraten Carl Hirsch.
Im gleichen Jahr 1873 wurde der Amtsbezirk Garz gebildet, der fast 2 000 Einwohner in mehr als 20 Ortschaften umfasste. Die Stadt Garz selbst hatte 1893 1 918 Einwohner und war 1925 mit 1 933 Bürgern nur wenig größer. Dabei wurden vor 1900 jährlich in der Kirchgemeinde Garz etwa 100 Kinder geboren. Jedoch verzogen viele Garzer Einwohner, wie auch die Kindersterblichkeit hoch war.

„Friede ernährt – Unfriede verzehrt“

Dieses alte deutsche Sprichwort gilt auch für die Entwicklung der Stadt Garz. Der dreißigjährige Krieg der Jahre 1618 bis 1648 und der Nordische Krieg von 1700 bis 1715 sowie die Stadtbrände in den Jahren 1701 und 1724 führten nach einer Blütezeit zum städtischen Niedergang, der erst um 1815 sein Ende fand. So bestand die Stadt Garz 1743 mit etwa 700 Einwohnern aus etwa 120 strohgedeckten Häusern an acht ungepflasterten Gassen. 1954 schrieb dazu der Garzer Heimatforscher Ernst Wiedemann (1883-1958): „Ein ‚Strafpfahl‘ und ein ‚wohlgemauertes Gefängnis‘ waren (daneben) vorhanden. So sah also die Stadt nach den schweren Katastrophen aus. Der Wohlstand ihrer Einwohner war dahin“ (Ostsee-Zeitung/Ausgabe Kreis Putbus, Nr. 12 v. 15. 1. 1954).
Besonders verhängnisvoll war die große Feuersbrunst vom 8. Mai 1765, in der mehr als 50 Häuser in Garz niederbrannten. Ein starker Wind hatte somit die Hälfte der Stadt durch einen Feuersturm vernichtet.
Mit Sagard, Gingst, Putbus, Altenkirchen und Bergen gehörte Garz im Jahre 1874 zu den sieben traditionellen Marktorten Rügens. Garz hatte regelmäßig im Frühjahr, Sommer und im Herbst seinen „Krammarkt“ mit zugehörigen Würfel- und Schaubuden sowie Karussells und Schaukeln.
1890 wurde in Garz eine der acht rügenschen Molkereien mit Käsefabrikation gegründet. Um 1900 begann aber auch die Konkurrenz der Großbetriebe, die vornehmlich von den Städten Stralsund, Greifswald und Stettin aus über Rügen ihren wirtschaftlichen Einfluss ausdehnten. Sie leiteten den zeitweiligen Niedergang der Wirtschaft in Garz ein. Zwischen 1936 und 1939 gab es wenigstens 22 größere Geschäfte, Handwerksbetriebe und Gaststätten, so das Kaufhaus Wenzel, den Kaufmann Paul Kasten, den Tischlermeister Paul Franz, die Elektromeister Willy Puppe und Hermann Ohlrich, die Fleischermeister Walter Behnke, Kurt Siegbrecht und Ulrich Schade, den Autobetrieb Otto Sandhop, das Baugeschäft Richard Wilde, die Schuhmachermeister Walter Götz und Paul Papenbrock sowie den Schneidermeister August Knöppel.
An diese verheißungsvolle Entwicklung konnte auch in der DDR-Zeit nur begrenzt angeknüpft werden. Im November 1989 brach sich daher auch in Garz der allgemeine Unmut Bahn. Man vermisste u. a. ein Kino, eine Gaststätte, „in der man sich verwöhnen lassen kann“, eine Turnhalle usw. Bärbel Wolfgram berichtete darüber in der „Ostsee-Zeitung“.
1992 und 1993 begann dann die Garzer Stadtsanierung auf einer Fläche von 27 ha Größe. Sie umfasste die Wasser-, Energie- und Abwasserleitungen inklusive den Bau einer Kläranlage. Ja, Bürgermeister Klaus Koesling – ihm folgte 1995 Klaus Meißner – schätzte damals einen Bedarf in Höhe von 60 Millionen DM und eine Bauzeit von 20 Jahren, also bis 2012. Im August 1993 war die Rekonstruktion der Hunnenstraße mit den Nebenstraßen unter Lübecker Bauleitung für drei Millionen DM abgeschlossen und man sprach von der „schönsten Straße Mecklenburg-Vorpommerns“. Die Kläranlage wurde 1994 für immerhin sechs Millionen Mark in Betrieb genommen.

Garz – Verkehrsknotenpunkt seit dem 10. Jahrhundert

Die Bedeutung des Ortes erwuchs u. a. daraus, dass in Garz die Ost-West-ausgerichtete Landstraßen Altefähr – Garz – Putbus – Mönchgut sowie die Nord-Süd-verlaufende Straße von der Glewitzer Fähre – Garz – Bergen – Trent – Wittow aufeinander trafen. Damit umgingen sie das Moorgebiet im Bereich der „Schleuse“ westlich der Stadt. Möglicherweise hatte Garz über den Garzer See sogar eine Verbindung zum Strelasund. An der „Schleuse“ (de Slus‘) fand man vor drei Jahrhunderten Reste eines Bollwerks und Eichenstämme als eine Art Schiffs-Anlegestelle – vielleicht seit dem 12. Jahrhundert. Auch der Name der „Poggenstraße“ – d. h. „Froschstraße“ – erinnert an dortige Sümpfe.

Abb. 2. Garzer Stadtwappen (nach Ostsee-Zeitung v. 28. bis 29. Januar 1989

Abb. 2. Stadtwappen von Garz, das einem Stadtsiegel des 14. Jahrhunderts nachgebildet wurde.

Wir erkennen auf dem älteren Stadtwappen, das 1994 von dem Sagarder Gerhard Koggelmann modifiziert wurde, eine Burg mit geöffnetem Tor, mit einem breiten Zinnen-Turm und zwei runden Kuppeltürmen. Auf dem Mittelturm weht eine weiße Kirchenfahne mit dem roten Greif.

„Vereint im Vereine“ – das einstige gesellige Leben in Garz

Die Stadt nahm im 19. Jahrhundert und den folgenden Jahren bis 1914 eine größere Bedeutung als Handwerks- und Handelszentrum, wie auch als Zentrum der Geselligkeit, im Südwesten Rügens ein. So gab es eine Fülle an Hotels und Gasthöfen, in denen sich die Städter und die Landbevölkerung trafen. Am bekanntesten war das „Hotel du Nord“ – heute steht hier EDEKA. 1902 legte der damalige Besitzer Seelow – Vorbesitzer war der aus Berlin stammende Karl Tiedt – im „Hotel du Nord“ (später „Nordischer Hof“) das Acetylen-Licht, eine Art von Kunstlicht, an. Das war der Beginn der Elektrifizierung in Garz. Daneben gab es das „Hotel Prinz von Preußen“, „Sander’s Gasthaus“, den Gasthof „Zur Insel Rügen“ (an der Schleuse) und den „Gasthof zum Deutschen Kaiser“. 1896 wurde das „Bahnhofs-Hotel“ unter Gastwirt Rathke gebaut. Die Gaststätten wurden recht oft verkauft und wechselten dabei auch ihre Namen. 1932 gab es neben dem „Hotel Nordischer Hof“ den „Lindenhof“ (erbaut vom Schlächtermeister Wilhelm Segler), „Pankows Gasthof“, „Giertz‘ Gasthof“ und „Juhls Gasthof“.
Im 19. Jahrhundert war die Bevölkerung gleichfalls gesellig und aktiv. Der Wahlspruch „selbst ist der Mann“ war eben verbreitet. Es gab mit dem Seilermeister Heinrichs, dem Kaufmann Kasten und dem Schneidermeister Töllner um 1900 geeignete Persönlichkeiten, die zu mobilisieren verstanden. Dafür sorgten auch ein „Bürger- und Arbeiterverein“, dessen „Sterbekasse“ („de Doden-Beliewung“) – eine Art Sterbeversicherung – allein im Jahre 1902 126 Mitglieder besaß, und ein 1876 gegründeter „Gewerbe-Verein“.
Bekannt und beliebt waren der Männergesang-Verein und die 1747 gegründete Schützen-Gilde. Dazu gab es auch in Garz die militanten und nationalistischen Veranstaltungen des 1877 gegründeten „Krieger- und Militärvereins“.

Abb. 3. Garz. Erfolg der touristischen Mehrkämpfer - Ostsee-Zeitung v. 2. 12. 1976 Abb. 3. Erfolg der touristischen Mehrkämpfer im Jahre 1976 (Ostsee-Zeitung v. 2. 12. 1976).

Im Februar 1900 hatte sich eine Freiwillige Feuerwehr mit 33 aktiven Mitgliedern gebildet. Sie hatte genug zu tun, da es früher mehr Brände und auch Brandstiftungen gab als heute. Allein im Herbst 1889 brannten die Gutshäuser von Berglase und Tangnitz ab, wie auch der 14jährige Garzer Einwohner Johannes Witt ein rohrgedecktes Wohnhaus anzündete. Er bekam dafür eine neunmonatige Gefängnisstrafe. 1893 brannte in der Schmiedestraße das älteste Garzer Haus ab – einige Tage zuvor war es mit 800 Talern versichert worden. Welch ein Zufall, welch ein Glück?
Dazu kam eine sehr rührige Sportbewegung in Garz. Der 1883 gegründete Garzer Turnverein hatte 1893 63 Mitglieder und trat allein im Jahre 1901 an 103 Abenden öffentlich mit einem Schauturnen auf! 1896 hatte sich sogar ein bescheidener Radfahrer-Verein gebildet. Seit 2010 gibt es die „Garzer Radsporttage“ in der indirekten Fortsetzung dieser Tradition, die wie in „alten Zeiten“ mit einem Radler-Ball ausklingen.
Die Garzer organsierten in allen ihren verschiedenen Vereinen Theateraufführungen, Konzerte, Liederabende. Alle Veranstaltungen klangen mit dem heiß begehrten Tanzvergnügen aus – der Eintritt kam zum Teil sozialen Zwecken zugute.
Übrigens gibt es heute 13 Vereine in Garz mit 700 Mitgliedern – davon gehören 300 Aktive der Sportbewegung an. Der größte Verein ist die „Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft“ mit 160 Personen.

De Doden-Beliewung (Toten-Beerdigung)

In seinen Lebenserinnerungen beschrieb Ernst Wiedemann die Einführung dieser neuen Bestattungssitte: „Späder würd de Doden-Beliewung gründt un een Liekenwagen anschafft. Dat wier för uns Kinner een grot Schauspill: De vier Pierd mit de groten schwarten Decken un de schwarten Fedderbüsch up den Kopp. Vier Pierd geew dat äwers blots bi’n ‚geihrten Doden‘, süss blots twee Pierd. Frugenslüd harrn bi det Begräbnis nicks to söken. Blots Mannslüd ‚folgten‘“. In Garz wurde dazu von den „Dodensängers“ ein bestimmter Choral angestimmt, der heute noch üblich sein soll.

 

Abb. 4. Garz. September 1979. Haus Nr. 4

Abb. 4. Garz. Altes Bürgerhaus. Erbaut in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Aufnahme A. Leube im September 1976.

Das erste Armenhaus auf Rügen in Garz

Am 6. November 1844 entstand auf Initiative des Garzer Superintendenten Otto an der Putbusser Chaussee das erste Armenhaus „zur Rettung armer Kinder der Insel Rügen“. Das waren meist Waisenkinder. Es nannte sich 1889 „Rettungshaus zur Erziehung verwahrloster Kinder“. Im Jahre 1878 nahm das Rettungshaus auch Zwangserziehungs-Zöglinge auf. Durch die Initiative des Hausvaters Roll konnte 1913 ein weiterer Neubau durchgeführt werden und 55 Kinder aufgenommen werden. Herr Roll fügte Unterkunftsräume und Schulklassen hinzu, so dass vor dem I. Weltkrieg 90 Knaben untergebracht wurden. Der Hausvater Roll hat mit seinen Zöglingen für die Stadt Garz sehr viel Gutes geschaffen, so berichtete der Ortschronist Ernst Behrend (Ostsee-Zeitung/ Beilage „Insel-Rundschau“ vom 6. 2. 1964). Er legte die Kirschenallee zum „Kanonenberg-Wald“ an, pflanzte Straßenbäume und verschönerte die Anlagen am Burgwall. Auch Bademöglichkeiten am „Garzer See“ entstanden durch ihn und seine Schüler. Nach 1918 konnte sich die Anstalt finanziell nicht halten.
1930 wurde das erste deutsche Diabetikerheim in Garz ausgebaut. Diese als „Arndt-Stiftung“ bezeichnete Anlage trug den Charakter einer Anstalt der Inneren Mission. In der DDR-Zeit wurde daraus ein „Institut für Diabetes“.
Heute befindet sich hier eine Fachklinik für Kinder und Jugendliche. Träger ist das „Christliche Jugenddorfwerk Deutschland“.

Garz – heute

Nachdem kurzfristig nach 1990 ein „Verwaltungsamt Garz“ für einige Landgemeinden des südwestlichen Rügen entstand, wurde am 1. Januar 2005 die gleiche Verwaltungszone nun zu dem ungewöhnlich großen „Amt Bergen“ mit zwei Städten (darunter Garz), neun Gemeinden und mehr als 20 000 Einwohnern vereinigt.
1989 hatte die Stadt noch 2 400 Einwohner. Diese Zahl hat sich nach 1990 verringert, betrug am 31. Dezember 2015 noch 2 213 Garzer Bewohner. Das Jahr 1936 zählte mit 2 543 Personen die höchste Einwohnerzahl in Garz.
1750 hatte Garz nur 705 Einwohner, im Jahre 1800 erst 1 042 Bewohner und 1862 fast 2 200 Einwohner. Die Geburtenrate mit etwa 100 Geburten pro Jahr um 1900 war recht hoch, wie aber auch jedes fünfte Kind unehelich geboren wurde. Aus Garz stammte bis 2014 die älteste Deutsche – es war Gertrud Henze, die am 8. Dezember 1901 in Garz geboren wurde und somit 112 Jahre alt wurde.
1896 wurde der Anschluss an die Eisenbahn geschaffen. Diese Bahnlinie wurde aber bereits 1967 geschlossen. Die erhaltene Bahntrasse dient heute als touristische Radtour.
In der DDR-Zeit kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. So gab es neben der Landwirtschaft (LPG „Charenza“ am 5. Dezember 1955 gegründet) auch ein modernes Betonwerk mit mehr als 100 Werktätigen. Die „LPG Charenza“ hatte 1974 83 Mitglieder und bildete 1969 die erste „KAP“ („Kooperativ Abteilung Pflanzenproduktion“) auf Rügen. Erinnert sei auch an die „PGH Auf- und Ausbau“ mit 44 Berufstätigen bereits 1974 und an das 1968 geschaffene Stadtambulatorium. Vor 1979 wurden außerdem eine Abteilung eines überregionalen Energiekombinates und eine Wasserwirtschafts-Direktion nach Garz mit entsprechenden Arbeitsplätzen verlegt. Auch daran sei erinnert.
Heute hat sich natürlich manches verändert. Seit 1991 wurde der Stadtkern, wie bereits erwähnt, im Rahmen der Städtebauförderung gründlich saniert. Dazu gehören nahezu alle Straßen, wie auch der Bau einer Kläranlage für die Stadt. 1993 errichtete die Deutsche Telekom AG in Garz eine Sendeanlage. Es ist ein 190 m hoher Stahlfachwerkmast, der dem UKW-Hörrundfunk und dem Fernseh-Rundfunk dient. Aber erst 1997 wurde in Garz eine Turnhalle gebaut – trotz der mehr als 100jährigen Tradition.
Zwischen 1990 und 2009 wechselten sich fünf Bürgermeister ab und gegenwärtig hat mit Frau Gitta Gohla erstmalig eine Frau das Zepter in der Hand. Erneut haben sich Garzer unter Herrn Werner Beug gefunden und 1992 einen „Heimatverein“ gebildet, der sich nicht nur der Frühzeit von Garz widmet (Ostsee-Zeitung am 12. Februar und 6. März 1993). 2009 hatte der Verein 110 Mitglieder. Seit 2008 ist Garz Mitglied des „Gesunde-Städte-Netzwerkes“ und schließt damit an die bereits in den 1920er Jahren gewünschte Prägung als „Luftkurort“ an.

Der 1000jährige Birnbaum auf dem Garzer Burgwall

Einer der markantesten Ansichts- bzw. Besichtigungspunkte ist der slawische Burgwall des 11. und 12. Jahrhunderts mit seiner Länge von 200 m und einer Breite von 140 m. Bereits im 14. und 15. Jahrhundert stand ein uralter wilder Birnbaum (Pirus communis) auf den Wällen des Burgwalles. Er wird 1402 erstmalig erwähnt. Erst nach 1945 vernichtete ihn ein Blitzschlag. Eine 200jährige Esche stand im Pfarrhaus-Garten – und hielt sich bis zum 20. Juni 1987. Nun zerbrach sie, wurde gerodet und durch einen Jung-Baum ersetzt.

Abb. 5. Garz. Innenfläche des seit 1954 unter Denkmalschutz stehenden Burgwalles. Aufnahme A. Leube 2012.

Abb. 5. Garz. Blick in das Innere des seit 1954 unter Denkmalschutz stehenden slawischen Burgwalles. Aufnahme: A. Leube, 2012.

Nach dem I. Weltkrieg wurde in der Nähe des Burgwalls ein mächtiges „Kriegerdenkmal“ errichtet, denn allein die Stadt Garz hatte 119 gefallene Soldaten.
In diesem denkmalgeschützten Burgwall des 9. bis 12. Jahrhundert fanden bereits 1928 archäologische Ausgrabungen statt, deren damalige Ergebnisse, wie die Vermutung, im Burgwall den im Jahre 1168 historisch bezeugten Ort „Charenza“ zu sehen, heute bestritten werden.
In den letzten Jahren fanden am und im Burgwall zahlreiche Erdarbeiten durch die Bevölkerung statt. Das ist sicher lobenswert, aber es sei erinnert, dass die Burganlage unter generellem Denkmalschutz steht und jegliche Erdeintiefungen genehmigungspflichtig sind. Dabei kann man u. a. auch Scherben von Schalen mit Innenfurchen finden. Sie wurden von Archäologen zum Typ der „Garzer Schale“ rekonstruiert – und dieser Gefäßtyp gilt im heutigen Garz als Symbol der Auszeichnung fleißiger Garzer Einwohner.

Weitere Stadt-Jubiläen

Einer der Anziehungspunkte der Stadt Garz ist das 1929 als „Rügensches Heimatmuseum“ eingerichtete Museum. Dieses Museum begeht also 2019 seinen 90. Geburtstag. Gründer und Initiator des Museums war der Lehrer und Kantor Ernst Wiedemann, dessen 60. Todestag wir 2018 begehen. 1937 erfolgte der heutige Museumsbau, der auch der Erinnerung an den unweit in Groß Schoritz geborenen Ernst Moritz Arndt (1769-1860) – in zwei Jahren ist sein 250. Geburtstag! – gewidmet ist. 2015 wurde ein neuer Erweiterungsbau eröffnet. Dazu erschien ein Urenkel von Ernst Moritz Arndt aus der Schweiz.
Nach Wiedemann waren es Wolfgang Rudolph, Herbert Hampel, Walter Schulz, Sylvia Knöpfel und nun Frau Katharina Venz-Weiße, die sich als Museumsverantwortliche um das Museum und das kulturelle Leben in Garz verdient machten und machen. Erinnert sei auch an den Garzer Ortschronisten Ernst Behrend.
Das Museum ging 1951 in „Volkseigentum“ über, wie auch zum 200. Geburtstag Arndts ein bronzenes Reliefbildnis des Dichters enthüllt wurde (vgl. Ostsee-Zeitung v. 12. und 22./23. Dezember 1979). Damals sang der Garzer Volkschor das Ernst-Busch-Lied „Gesang vom Lernen“: „Wir wollen das Schöne uns machen zu eigen und dienen dem Wahren mit ganzer Kraft!“. Dieser Chor erhielt unter seinem Dirigenten Ernst Pranke (1928-2013) 1969 als erster Chor Rügens den Titel „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“.
Damals wurde auch viel „gedichtet“ und gereimt, wie das Gedicht „Abschied“ belegt:

„Uns‘ Lewen gliekt ‚ne Isenbahn
mit männige Statschon:
Man kümmt, stigt in, führt up’n Plahn
kümmt an un geht dorvon.

Hüt trefft man veele gaude Lüüd,
un morgen hundgemeen:
lütt hübsche Mäkens süht man hüt,
is morgens ganz alleen.

So geiht dat furt von Urt tau Urt,
bet dat uns‘ Reis‘ gedahn,
bet dat wi in den letzten Purt,
dei hüt, dei morgen gahn“.

Der Garzer Ernst Wiedemann (1883-1958, nicht wie in seinem Nachruf aufgeführt 1948) gab dem damaligen, Abb. 6. Ernst Wiedemann verstarb 1958von ihm herausgegeben „Rügenschen Heimat-Kalender“ mit auf den Weg:
„Möge er einen jeden von uns erfüllen mit Freude und Stolz auf unsere geliebte rügensche Heimat, auf ihre reich bewegte Geschichte und auf ihre einzigartige Schönheit!“
Die Garzer Geschichte gehört unbedingt dazu.

Abb. 6. Nachruf für Ernst Wiedemann – den Garzer Lehrer, Schulleiter, Kantor, Heimatforscher, Chordirigenten und Komponisten

Abb. 7. Burgwall Garz. Verfasser vor dem von ihm 1966 angebrachten Schutzschild unterhalb des Burgwalles. Das Schild ist heute eingewachsen.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Abb. 7. Burgwall Garz. Verfasser vor dem von ihm 1966 angebrachten Schutzschild des Burgwalles. Das Schild ist heute eingewachsen.