Maiglöckchen gepflückt, Lehrmittel dafür gekauft

(OZ v. 13.11.1986)

Zu Besuch im Schulmuseum Middelhagen – Ein ehemaliger Schüler erinnert sich an die schwere Zeit nach 1945

Mit großem Interesse habe ich das Schulmuseum in Middelhagen besichtigt, jenes Haus, das ich in den Jahren vor 1945 und 1946, und kurz 1949 als Schüler besuchte.

Frau Ruth Bahls (1910-1994) und ihre Mitarbeiter haben in unsagbarer Kleinarbeit, mit wissenschaftlicher Sorgfalt und kriminalistischem Spürsinn alte Quellen zum Sprechen gebracht.

Dargestellt wird das Schulwesen auf ganz Mönchgut mit seiner Vergangenheit und Entwicklung in unseren Tagen.

Altes Schulhaus Middelhagen 1972

Altes Schulhaus Middelhagen 1972

1946, wohl im September, wurde die Zentralschule Mönchgut in Gager eröffnet, deren schwerer Anfang unter den Lehrern Stroscher und Zimprich mit Hilfe aller Schüler gemeistert wurde. Um Lehrmittel anzuschaffen, pflückten wir damals jährlich Maiglöckchen und boten diese in Bergen für eine Mark je Strauß an. So kamen etwa 200 Mark zusammen. In den Dörfern Thiessow, Groß Zicker und Gager führten wir Theaterspiele gegen geringen Eintritt auf, daraus wurden kleine Wanderungen u. ä. finanziert.

Gleichzeitig erfüllten wir damit auch eine bescheidene kulturelle Aufklärung. Die Stücke, teilweise in plattdeutscher Sprache, wurden jedenfalls gut besucht und nachmittags auch Kindern vorgespielt.

Probleme gab es genug. Eines der schwierigsten war die Frage der Heizung. Schließlich musste jeder Schüler einen Armvoll Holz mitbringen. Für die Schüler aus Groß Zicker war das zunächst kein Problem, da sie auf ihrem Schulweg innerhalb einer Woche einen ganzen Staketenzaun abbrachen, danach hatten sie auch Probleme. Oft saßen wir in unseren Mänteln im ungeheizten Klassenraum, und ein Schüler las sogenannten Lesestoff vor. Beliebt waren nach meiner Erinnerung die Werke der Schriftsteller Storm, Gerstäcker, Reuter.

Später hatten wir Schüler von Dorfschulen – zumal auch der Sprachunterricht danieder lag – Schwierigkeiten auf der Oberschule in Bergen, und wurden gegenüber denen aus Bergen, Putbus und Saßnitz meist zu einer Klasse zusammen gefasst.

Delegierungen zur Oberschule waren 1950 noch ein Problem der Lehrer, da es zu wenig Bewerber aus den Familien der Flüchtlinge, der Fischer und Bauern gab. Das erlernen eines Berufes stand, der Not gehorchend, im Vordergrund.

In den 50ger Jahren wurde die neue Zentralschule Mönchgut, die auch äußerlich gut in die Landschaft passt, errichtet.

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