Kategorie-Archiv: Schlösser & Herrenhäuser

Sinnlos zerstört: Schloss Dwasieden

(OZ v. 4.4.1990)

In den Jahren 1873 bis 1876 wurde auf hohem Uferrand unweit von Saßnitz das Schloss Dwasieden nach dem Entwurf des damals bekannten Baurats Hitzig aus französischem Sandstein und schwedischem Granit errichtet. Die mit Säulen geschmückte Vorderfront war auf die See gerichtet. Die strenge und symmetrisch orientierte Schlossanlage mit durch Säulen gegliederten Seitenflügeln entsprach dem Stil der deutschen Renaissance. Auftraggeber war Geheimrat von Hansemann, der auch die Gutsherrschaft in Lancken/Jasmund besaß.

Sassnitz, Dwasieden, Uferpartie 2010

Sassnitz, Dwasieden, Uferpartie 2010

Zum Schloss gehörte ein umfangreicher Park mit vielen Wanderwegen entlang reicher Buchen- und Eichenbestände. Diese Waldung wird bereits 1519 erwähnt. Bemerkenswert sind einige kulturhistorische Denkmale. So liegt am Westrand des Parks ein bereits ausgegrabenes Hünengrab, das etwa 4000 Jahre alt ist. Weitere bronzezeitliche Hügelgräber befinden sich innerhalb des Parks auf einigen Anhöhen.

1936 wurde das Schloss von der Marine übernommen und diente als Offizierskasino. Als im Sommer 1948 die Kasernen der ehemaligen Marine-Garnison gesprengt wurden, fiel dieser Maßnahme auch das Schloss zum Opfer, völlig sinnlos. Im Saßnitzer Stadtarchiv befindet sich eine Notiz vom 16. April 1948, aus der hervorgeht, dass der damalige Gemeinderat einen Kreisbeschluss zur Sprengung des Schlosses Dwasieden zur Kenntnis nimmt.

dwasieden-marstall

Sassnitz, Dwasieden, Marstall 2010

Marstall und Park übernahm in den 50ger Jahren die Nationale Volksarmee. Seitdem ist das Gelände gesperrt. Dwasieden war ein beliebter Ausflugsort und konnte früher mit dem Boot angefahren werden. Eine Treppe führte vom Strand zum Schloss auf die Uferhöhe.