Archiv für den Autor: Prof. Dr. Achim Leube

Vor 40 Jahren entstand der Rügendamm

(OZ v. 24.11.1976) Mit dem Ausbau des Verkehrswesens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – ins besondere im Transit- und Personenverkehr – wurde die Errichtung einer festen Verbindung zwischen Rügen und dem Festland eine lebenswichtige Notwendigkeit. 1863 erreichte man Stralsund von Berlin aus mit dem Zug. Zwanzig Jahre später entstand die Bahnlinie Altefähr-Bergen, verbunden mit der Trajektfähre über den Strelasund.

1909 wurde die Trajektverbindung nach Schweden über Sassnitz in Betrieb genommen. Zu dieser Zeit erfolgten täglich bis zu 90 Fährschifffahrten über den Sund.

Blick in den Hafen von Altefähr 2011.

Blick in den Hafen von Altefähr 2011

Erste Pläne, den Sund mittels Tunnel oder Hochbrücke zu überwinden scheiterten an dem üblichen Geldmangel der Regierung für derartige Projekte. In der Hoffnung auf schwedische Hilfe begann man schließlich 1932 während der Weltwirtschaftskrise stockend mit den ersten Arbeiten, die später meist als Notstandsarbeiten erfolgten und mit der Einweihung am 5. Oktober 1936 abgeschlossen wurden.

Anlegestelle des Trajektes 1974

Anlegestelle des Trajektes 1974

Diese neue Verbindung verkürzte den Personenverkehr um eine Stunde, und den Güterverkehr sogar um 11 Stunden. Zweifellos spielte der Rügendammbau auch eine militärisch-strategische Rolle. Die dann folgende Einbeziehung der Insel in die Aufrüstung des faschistischen Deutschland beweist das. Wenige Tage vor Kriegsende wurde der Rügendamm von zerstörungswütigen Wehrmachtsoffizieren gesprengt. Erst im Oktober 1947 konnte er wieder befahren werden.

Stralsund-Dänholm. Ziegelgrabenbrücke. Wenn die Ziegelgrabenbrücke hochgeklappt wird, um den Schiffsverkehr zu ermöglichen, ist Rügen jedes Mal wieder eine Insel, ganz zum Leidwesen der Kraftfahrer, die dann auf beiden Seiten eine unfreiwillige Pause einlegen müssen. 2010

Stralsund-Dänholm. Ziegelgrabenbrücke. Wenn die Ziegelgrabenbrücke hochgeklappt wird, um den Schiffsverkehr zu ermöglichen, ist Rügen jedes Mal wieder eine Insel, ganz zum Leidwesen der Kraftfahrer, die dann auf beiden Seiten eine unfreiwillige Pause einlegen müssen. 2010

Die Anlage des Rügendammes – die Gesamtlänge wird ursprünglich mit 2 450 Metern angegeben – war in ihrer Zeit eine technische Meisterleistung. Man verbaute 11 800 Tonnen Eisen und Stahl, sowie 48 000 Kubikmeter Beton. Es waren 2,6 Kubikmeter Boden zu bewegen. Der Strelasund zwischen dem Dänholm und Rügen wurde durch eine auf neun Pfeilern ruhende Stahlkonstruktion überbrückt. Die Pfeiler reichten bis zu der Tiefe von 24 Metern Zwischen dem Dänholm und Stralsund errichtete man eine Klappbrücke (nach dem Prinzip des Waagebalkens), die sogenannte Ziegelgrabenbrücke von 270 Meter Länge.

Die 540 m lange Eisenbahnbrücke wurde 1936 als erste voll geschweißte Großbrücke von der Firma Krupp erbaut. Nach der Sprengung durch die flüchtende deutsche Wehrmacht konnte der Damm erst ab Oktober 1947 wieder benutzt werden. 1961 baute man am Widerlager A (Dänholm) ein 42 m langes Überbauteil neu ein. Wegen des wachsenden Zugverkehrs musste im Dezember 1986 die Höchstgeschwindigkeit von 90 auf 30 km/h herabgesetzt werden. Vom 9. bis 13. 5. 1990 wurde der stählerne Überbau der alten Brücke mit Hilfe von Schwimmkränen durch vormontierte Neuteile ersetzt.

Der Rügendamm gehörte bis zum Jahre 2007 zu den am meisten befahrenen Straßen- und Schienenabschnitten. Innerhalb von 24 Stunden passierten damals bis zu 12 000 Kraftfahrzeuge und rund 80 Eisenbahnzüge dieses Nadelöhr. 2004 begann man mit dem Bau einer zweiten, parallel verlaufenden Strelasundquerung, die 2007 der Öffentlichkeit übergeben wurde. Es ist eine mächtige und 4,7 km lange Rügendamm- Brücke, die teilweise 42 m über den Strelasund verläuft und von bis zu 128 m hohen Pylonen getragen wird. Die wurde vom Architekten André Keipke entworfen und am 20. Oktober 2007 durch Frau Dr. Angela Merkel eröffnet (www.stern.de/panorama/ruegendamm-bruecke-zum-vergnuegen-auf-ruegen-600512.html). Gegenwärtig werden beide Rügenzugänge gleichzeitig genutzt.

Stralsund. Blick auf die Ziegelgraben-Brücke des Jahres 1936 und die neue Rügendamm-Brücke des Jahres 2007

Stralsund. Blick auf die Ziegelgraben-Brücke des Jahres 1936 und die neue Rügendamm-Brücke des Jahres 2007

„Wissenswertes in Kürze von Arkona bis Zudar“ und „Vom Badekarren bis zum Strandkorb“

(OZ v. 10.1.1978) „Rügen von A bis Z“ heißt eine lexikonartig aufgebaute Broschüre von Heinz Lehmann und Renate Meyer, die nun bereits in zweiter erweiterter Auflage erschienen ist. Wie der Untertitel verrät, vermittelt das Büchlein „Wissenswertes in Kürze von Arkona bis Zudar“. Es enthält 156 Stichworte über die Geschichte der Insel, ihrer Städte und Dörfer, über Geographie, Geologie und Biologie, über Volkskunde, Dichtung und Malerei, über Schifffahrt, Fischerei, Technik Industrie und über Touristik. Den Autoren ist zu diesem Buch nur zu gratulieren, da nach längerer Zeit wieder ein umfangreicher Überblick über die Insel Rügen gegeben wird.

Natürlich kann man über die Auswahl der Stichworte und über deren Informationsgehalt mitunter geteilter Meinung sein. So haben die Verfasser zwar die gewaltigen ökonomischen und sozialen Veränderungen Rügens in der Ortsgeschichte dargestellt, dennoch wäre es wünschenswert, besonders resümierende Stichworte wie „Landwirtschaft“ und „Tierzucht“, u. ä. einzubauen. Nahezu vergessen worden ist der Sport. Auf Rügen gibt es aber aktiven Motor-, Pferde-, Schach-, Segel- und Ballsport. Erinnert sei auch an das Sundschwimmen oder an die Göhrener Sportakrobaten als ständige DDR-Meister.

Einige Unklarheiten und veraltete Auffassungen (Geschichte und Geologie betreffend) sollten durch Konsultationen mit den entsprechenden Fachstellen behoben werden.

Eine empfehlenswerte Lektüre bildet auch das Buch „Vom Badekarren bis zum Strandkorb“ von Horst Prignitz. Mit großer Sorgfalt, gründlichem Materialstudium und in gelungener Umsetzung (Zeichnungen von Inge Brüx-Gorisch) wird hier der Geschichte des Badewesens an der Ostseeküste nachgegangen. Prignitz bemühte sich um die Wiedergabe von Gemälden, Zeichnungen oder Fotos aus den Anfängen des Badewesens. Die Anfänge dieser Entwicklung auf Rügen (Badeorte Sagard und Putbus) sind sehr detailgetreu wiedergegeben.

Badehaus in der Goor bei Lauterbach. Erbaut vom Fürsten Malte zu Putbus zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Nach 1945 Wohnraum für etwa 40 Personen. Seit 1957 Urlaubszentrum des Eisenhüttenwerkes in Eisenhüttenstadt. Heute privatisiert.

Badehaus in der Goor bei Lauterbach. Erbaut vom Fürsten Malte zu Putbus zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Nach 1945 Wohnraum für etwa 40 Personen. Seit 1957 Urlaubszentrum des Eisenhüttenwerkes in Eisenhüttenstadt. Heute privatisiert.

Nach 1880 entwickelte sich Rügen zum größten Erholungsgebiet an der Ostsee. Im Jahre 1900 gab es bereits 44 000 Badegäste. Als beliebte und auch damals begehrte Ostseebäder galten Sassnitz-Crampas, Binz und Göhren. Besonders Angehörige der Geldaristokratie suchten die teuren Bäder Rügens und Usedoms auf, daneben aber auch Angehörige des Adels, Kaufleute, Gutsbesitzer, Beamte, Handwerker und dergleichen. Die Masse der Bevölkerung hatte auch um 1900 und danach keine Möglichkeit, ins Bad zu fahren, da das Geld fehlte und es noch keine Urlaubsregelung (mit einigen Ausnahmen) gab.

Haus Rheingold. Zu dieser Zeit eine HO-Gaststätte 1984.

Haus Rheingold. Zu dieser Zeit eine HO-Gaststätte 1984.

Prignitz erinnert dazu an den mühevollen Anfang nach 1945. Schwarzhändler und Schieber trieben ihr Unwesen. So wurden für ein Pfund Dorsch 20 bis 30 Mark und für eine Kanne „Muckefuck“ 3,59 Mark verlangt. 1947 begann aber der FDGB-Feriendienst, diesen Auswüchsen ein Ende zu setzen. So wurde der Ostseebezirk zum führenden Urlaubszentrum der DDR. – Ein umfangreicher Anhang und eine Literaturauswahl gestatten weiterführende Studien für Interessenten.

 

Wetterprognosen vor 100 Jahren

(OZ v. 30.1.1976) Kürzlich berichtete die OZ über die verantwortungsvolle Arbeit der 1954 gegründeten Wetterbeobachtungsstation in Putbus. Es dürfte interessant sein, den Anfang der Wetterbeobachtung auf Rügen zu verfolgen. Bereits 1833 errichtete eine „Kaiserlich-russische Chronometer-Expedition“ eine Beobachtungsstation auf Arkona, die sich aber besonders mit dem Verlauf des Meeresspiegels beschäftigte. Eine Wetterwarte mit den der damaligen Zeit entsprechenden Geräten wurde dann 1853 in Putbus gegründet. Später kamen dann einige Beobachtungsstützpunkte in Arkona, Thiessow und dem Wittower Posthaus auf dem Bug hinzu.

Die Putbusser Messungen wurden im 19. Jahrhundert von Lehrern des ehemaligen Pädagogiums sowie vom Uhrmacher Freiberg durchgeführt. Obwohl genaue Direktiven vorlagen, scheinen diese Mitarbeiter ihre Sache nicht immer so genau genommen zu haben. Es wird berichtet, dass sie die letzte Messung (22:00 Uhr) oft vorzogen und das Regenwasser mitunter erst einige Tage im Gerät sammelten, ehe sie es maßen.

Dennoch lassen sich über den Verlauf von 50 Jahren (1855 bis 1902) Grundzüge des Putbusser und damit des rügenschen Wetters feststellen. So besitzt Putbus im Frühjahr und Sommer eine wesentlich geringere Bewölkung als auf dem benachbarten Festland. Dafür gelten der Spätherbst und der Winter als recht feucht. Die Temperatur ist entsprechend dem Seeklima im Sommer abends kälter als am Morgen.

Im Jahresdurchschnitt wies Putbus im 19. Jahrhundert nur 44 sehr heitere, gegenüber 126 sehr trübe Tage auf. Im Vergleich zu anderen rügenschen Orten gilt Putbus als regenreich. So waren im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts im Jahresdurchschnitt 143 Tage verregnet. Die Regenzeit konzentrierte sich allerdings auf den Herbst und Winter, während das Frühjahr niederschlagsfrei blieb.

Eingeschneite Bahnstrecke im Dezember 1978 zwischen Bergen und Saßnitz.

Eingeschneite Bahnstrecke im Dezember 1978 zwischen Bergen und Saßnitz.

Auch der geringe Schneefall hängt mit dem Seeklima zusammen. Im Jahresdurchschnitt sind es nur 32 Tage (vorwiegend Januar bis März) mit Schneefall. Der erste Schnee fällt selten vor dem 15. November, der letzte noch am Ausgang des Aprils.

Auch die Gewittertage wurden damals registriert. Danach gehört Putbus zu den „gewitterarmen“ Orten Mecklenburgs (nur 17 Tage!). Gewitter traten vorwiegend im Juli auf, während Wintergewitter nur in jedem fünften Jahr vorkamen.

Soweit ein Einblick in das Wetter des 19. Jahrhunderts. hat es sich verbessert? Vielleicht können die heutigen Putbusser „Wetterfrösche“ darüber berichten?

 

1904 stand ganz Mönchgut unter Wasser

(OZ v- 31.12.1976) In den Monaten November bis Januar treten nach allgemeinen Erfahrungen an unseren Küsten die meisten „Sturmfluten“ auf. Richtiger müsste man sie Sturmhochwasser nennen, da es keine Fluten im Sinne eines Gezeitenwechsels sind. Nach statistischen Erhebungen trat seit 1044 alle 17 bis 19 Jahre ein größeres und etwa alle fünf Jahre ein kleineres Sturmhochwasser auf.

Bei einem schweren Sturmhochwasser erreicht der Wasserstand mehr als 1,5 Meter über Mittelwasser (MW). Ausgelöst werden diese Naturkatastrophen im Ostseegebiet z. B. durch charakteristische Wetterlagen in Verbindung mit anhaltenden Stürmen aus dem Norden. Das Ausmaß des Hochwassers hängt vom Füllungsgrad des Ostseebeckens ab. So wird bekanntlich bei andauernden Westwinden Nordwasser hineingedrückt, und das kann beim Umspringen des Windes nach Norden nicht so schnell durch Sund und Belt entweichen. Das war 1954 der Fall. Seit dem 27. Dezember 1953 war Nordseewasser in die Ostsee gelangt und hatte sich in deren östlichen Teilen gestaut. Der Wind drehte auf Nord und Nordost und entwickelte sich am 3. Januar 1954 zum Sturmtief.

Thießow, Oststrand 2004

Thießow, Oststrand 2004

Die Flutwelle trifft dann mit voller Wucht die Ostküste Rügens (1904 maß sie  mit 8,5 km/h) und bei Nordwestwinden auch Hiddensee. Hier ist vor allem der Dornbusch gefährdet, der 1904 um 5 bis 15 m verkürzt wurde. Dieses Hochwasser von 1904 gehört mit denen von 1872, 1913/14 und 1954 zu den bedeutendsten Hochwassern der letzten 100 Jahre.

Vom 30. zum 31. Dezember 1904 wurden auf Arkona fast 2 m, in Sassnitz 2,2 m, in Göhren 2,5 m und in Glowe sogar über 3 m über MW gemessen. 1954 erreichte der Wasserstand auf Mönchgut 1,6 m über MW.

Oft ist das Hochwasser mit einem starken Temperaturwechsel und schwerem Schneegestöber verbunden. So war es auch 1904, als die Flut besonders Mönchgut heimsuchte. Am 31. Dezember war die Halbinsel mit Ausnahme seiner Erhebungen gänzlich überschwemmt. Die Dünen am „langen Strand“ waren weggespült – wie auch 1954 – und der Deich in Thiessow zusammengestürzt. Das Wasser stand im Ort 0,7 bis 0,8 m hoch.

Wenige Stunden nach Eintreffen der Flutwelle an der Ostseeküste wird auch das Boddenhinterland erreicht und überschwemmt. Gefährdet war immer das Niederland Hiddensees. In Neuendorf-Plogshagen blieben 1872 von 57 Häusern nur vier unversehrt. Auch 1954 mussten einige Häuser geräumt werden. Teilweise standen die Orte Breege, Dranske und Libitz unter Wasser. Überschwemmt wurden die Chausseen Kuhle – Banz (1904), Garz – Groß Schoritz und Lancken-Granitz – Sellin (1954). Teilweise hatte das Wasser 1954 die Orte Klein-Zicker, Neu-Reddevitz und Lüßvitz eingeschlossen.

 Thiessow, Steinmole am Oststrand 2004.

Thiessow, Steinmole am Oststrand 2004.

Obwohl seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schützende Steinwälle und Deckwerke geschaffen wurden, musste doch für größere Schutzanlagen und ein wirksames Warnsystem gesorgt werden. Am bekanntesten dürfte dabei das fast 2,2 km lange Rauhdeckwerk auf Hiddensee sein. Vor der Ortslage Dranske entstand nach polnischem Vorbild ein T-förmiges Buhnensystem, dessen Standfestigkeit durch 500 Kilogramm schwere Sandsäcke erhöht wurde. Während der letzten 30 Jahre wurden auf Rügen außerdem Boddendeiche mit einer Gesamtlänge von etwa 40 Kilometern geschaffen.

Zwei Münzfunde, die Aufsehen erregten

(OZ v. 31.12.1977/1.1.1978) Die Entdeckung eines Münzfundes von 103 Silber- und Kupferprägungen am 9. März 1978 in der Bergener Vieschstraße gaben viele Zeitungen bekannt. Nach dem 1973 in Ralswiek ausgegrabenen Münzfund ist es nun bereits der zweite größere Münzschatz, der in kürzerer Zeit auf Rügen gefunden wurde.

Der Ralswieker Münzfund wog etwa drei Kilogramm und bestand aus arabischen Münzen, die in der Mitte des 9. Jahrhunderts vergraben worden waren. Sein Besitzer lebte an einem bedeutenden slawischen Seehandelsplatz, der sich in jener Zeit über den heutigen Ortskern von Ralswiek erstreckte. Da die Slawen zunächst noch keine Münzen prägten, verwandten sie als Zahlungsmittel bis zum 10. Jahrhundert arabische Münzen. Diese belegen zugleich einen ausgeprägten Fernhandel, bei dem man an einen Sklavenhandel denken könnte. So erhielt man für den Schatz etwa zehn bis zwölf Sklaven. Er besaß aber auch den Wert von zehn guten Pferden, 30 Kühen oder 100 Schweinen.

Daneben hatten die auf Rügen ansässigen Ranen eine Leinentuchwährung als Äquivalent. Noch im 12. Jahrhundert heißt es: „Nun haben die Ranen kein gemünztes Geld … Was man auf dem Markt kaufen will, erhält man gegen Leinentücher“. Bei den Silbermünzen wurde übrigens nach Gewicht gezahlt. So befanden sich im Ralswieker Münzfund auch zerhackte Prägungen.

Erst der Ranenfürst Jaromar I., der von 1168 bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts regierte, ließ eigene Münzen prägen. Sie trugen sein Konterfei und die stolze Inschrift „Rex Rugionorum“ (König der Rügener).

Der Bergener Münzfund dürfte größere Übereinstimmung mit einem ähnlichen aus Altefähr besitzen. Dieser wurde bereits 1935 entdeckt und enthielt nach seiner Bestimmung durch Professor Suhle, Berlin, 119 Schillinge und Taler in einem Gefäß. Es überwogen sogenannte Doppelschillinge (16 Stück entsprechen einem Taler) mit einem Gegenstempel. Dieser Stempel war erforderlich, um die Gültigkeit und die Umlauffähigkeit der Münzen zu bezeugen. Diese Münzen hat man vermutlich 1638 (jüngste Münze war von 1637) vergraben. Schließlich sei noch ein kleiner Talerfund aus dem Jahre 1957 in Garz erwähnt. Er muss nach 1611 / 1612 vergraben worden sein.

Warum wurden nun diese Münzen im 17. Jahrhundert vergraben, oder, wie in Bergen eingemauert?

Blick in die Vieschstraße in Bergen. Ganz links ist das Haus mit dem Schatzfund. 2005

Blick in die Vieschstraße in Bergen. Ganz links ist das Haus mit dem Schatzfund. 2005

Als der Ort Bergen 1613 sein Stadtrecht für 8 000 Mark – die Mark entsprach acht bis neun Talern – vom pommerschen Herzog erwarb, galt er als verhältnismäßig wohlhabend. Jedoch wenige Jahre später hatten Katastrophen und die Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) dieser Entwicklung ein schnelles Ende bereitet. Stadtbrände äscherten 1621 und 1631 große Teile der Stadt ein, auch wurde Bergen 1629 und 1639 von der Pest heimgesucht.

Die größten Drangsale in der Geschichte Rügens brachten die Kriegszüge der Habsburger unter Wallenstein und der Schweden nach 1627. Zeitweise standen 10 000 Soldaten mit einem umfangreichen Tross auf Rügen. Plünderungen und Brandschatzungen waren an der Tagesordnung. 1630 wird über fehlendes Saatgut geklagt und berichtet, dass die Bevölkerung von Eicheln, Samen und von in Salzwasser gekochtem Gras lebt. Erst 1646 soll es möglich gewesen sein, in Bergen wieder „wohlfeil zu leben“. In diesen unruhigen Jahren wurden die Münzen verborgen. Vermutlich hat man die Besitzer getötet, oder sie verstarben durch die Pest.  1629 gab es allein 800 Pesttote in Bergen.

Münzfunde sind als wichtige Geschichtsquellen auch ein Teil unseres kulturellen Erbes. Sie gelten bei ihrem Auffinden oder bei ihrer Bergung als Volkseigentum (auch der Einzelfund) und sind den zuständigen Museen zu übergeben. Das sei mit allem Nachdruck betont.

Rügen vor fast 200 Jahren

Zwei Drittel der Bevölkerung waren leibeigen und litten unter extremer Ausbeutung

(OZ v. 20.2. und 27.2.1986) Ende des 18. Jahrhunderts, also vor fast 200 Jahren, erschienen die ersten ausführlichen Beschreibungen der Insel Rügen. Die Autoren Karl Nernst (1800) und Johann Jacob Grümbke (1805 unter dem Pseudonym Indigena) zeichneten besonders ausführlich und von großer Bedeutung ein Bild der Entwicklung Rügens. Beide lebten auf Rügen, Nernst vermutlich einige Jahre in Schwarbe. Grümbke war Bergener Bürger und darf als der „Vater der rügenschen Geschichtsschreibung“ bezeichnet werden. Beide besaßen eine universale Bildung, die es gestattete, fast alle Bereiche des damaligen gesellschaftlichen Lebens zu betrachten, womit sie sich auch übrigens wohltuend von mancher späteren Rügenbeschreibung abheben.

Ausführliche Beschreibung der Insel Rügen durch J. J. Grümbke 1819

Ausführliche Beschreibung der Insel Rügen durch J. J. Grümbke 1819 

Auf Rügen, das bis 1815 zum Schwedischen Reich gehörte, waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch ausgeprägte feudale Verhältnisse vorhanden. Von den über 27 000 Einwohnern Rügens galten fast 18 000 Leibeigene als völliges Eigentum der Grundherrschaft. Der Erbherr konnte nach gültigen Gesetzen, die bis 1616 zurückreichten, den Leibeigenen „verpfänden, gegen Vieh tauschen, ihm Hof und Acker nehmen und über ihn Recht sprechen“. Harte Strafen standen auf alle „Vergehen“. Besonders verbreitet war die Züchtigung mit der Peitsche oder der „Ganten“. Bei heimlicher Flucht „soll ihm (dem Leibeigenen) ein Brandmal auf die Stirn gebrannt werden“. Leibeigen und einer strengen Fron unterworfen waren fast alle Landbewohner, so z. B. fast 99 Prozent der Bevölkerung Jasmunds. Lediglich in den Städten Garz und Bergen sowie in den sogenannten Flecken Gingst und Sagard und einigen größeren Dörfern (Altenkirchen, Middelhagen) gab es Freie.

Nernst und Grümbke führten eine Vielzahl von Hand- und Spanndiensten sowie Naturalabgaben und Geldsteuern auf, die die Bevölkerung bedrückten und ihre große Armut und Unwissenheit belegten. Nernst fiel die besondere Armut der Hiddenseer auf: „Die Armuth wohnt hier und das Elend. Nicht selten begegneten uns zerlumpte Kinder, welche mit wahrem Heißhunger in ein Stücklein gedörrten Fisches bissen, wovon sie immer eine Portion mit sich führen“. Auch Grümbke empörte sich über diese Zustände: „Denn der Druck der Knechtschaft macht das Gemüth feige und schlecht, … weil er nichts hat, was ihm die Mühen des Lebens erleichtern, was ihn trösten und über sein Schicksal erheben kann“. Diese Situation extremer Ausbeutung und Verdummung der arbeitenden Schichten füllte noch viele der folgenden Jahrzehnte.

Titelblatt des Buches „Das alte Pommern“ von Schleinert und Wartenberg 1995.

Titelblatt des Buches „Das alte Pommern“ von Schleinert und Wartenberg 1995.

Der Adel stellte den größten Teil der Großgrundbesitzer. Ihm gehörten auf Rügen 380 Ortschaften, Dörfer, Vorwerke usw. Den übrigen Besitz teilten sich das königliche Domanium und die Stadt Stralsund (mit ihren Kirchen und Klosterstiftungen). Die größten Besitzer waren die Grafen von Putbus (damals noch nicht im Fürstenstande) und die schwedischen Grafen von Brahe auf Spyker, denen die Hälfte von Jasmund gehörte mit einem Jahresgewinn von etwa 10000 Reichstalern.

So konnte Grümbke dann sagen: „ Im Ganzen herrscht unter dem Adel viel Wohlstand…“ Dieser Adel besaß die Zollfreiheit, war von sämtlichen Erhebungen finanzieller Art befreit und hatte eine eigene Gerichtsbarkeit über seine Untertanen. Er bildete die „Rügianische Ritterschaft“ mit einer besonderen Uniform (gelbe Hosen, dunkelblauer Rock) zu besonderen Anlässen.

Einen besonderen Stand verkörperte die Geistlichkeit, die gleichfalls bestimmte Abgaben von der Landbevölkerung erhob, aber auch über ein meist beträchtliches Ackerwerk verfügte, wonach „die Pfarrstellen größtenteils sehr einträglich“ waren (Grümbke). Um 1800 gab es auf Rügen einige sehr bedeutende Prediger, von denen Picht in Gingst, Kosegarten in Altenkirchen und Schwarz in Wiek eine bleibende Bedeutung erlangt haben.

Der Hauptwirtschaftszweig wurde durch die Landwirtschaft gebildet. Besonders hohe Getreideerträge, die nach Stralsund verschifft wurden, erzielte man auf Wittow. Hier begann man um 1800 auch mit dem Anbau von Klee und Wicken. Die Fruchtfolge war die sogenannte Schlagwirtschaft: Winterkorn (Weizen oder Roggen) – Gerste – Erbsen – Gerste – Hafer – Brache (Klee).

Ackerfeld bei Bergen 1960

Ackerfeld bei Bergen 1960

Die Rinderzucht wurde durch die Anlegung sogenannter Holländereien sehr vergrößert und durch den Ankauf fremder Zuchttiere auf den großen Gütern verbessert. Noch im argen lag die Schafzucht trotz weiter Heideflächen, die es auf Rügen noch gab, und die heute entweder aufgeforstet oder Ackerland sind. Erinnert sei an die Boldevitzer, die Patziger und die Ralswieker Heide. Auch die Schaabe, die Schmale Heide und die Landschaft um Sehlen waren damals noch Heideland.

 

Wann wurde Rügen von Menschen besiedelt?

(OZ v. 24./25.12.1977) Erst mit dem Rückzug der eiszeitlichen Gletscher und einer fühlbaren Erwärmung entwickelte sich in unserer Heimat eine natürliche Umwelt, die den Menschen geeignete Lebensbedingungen schuf. So löste sei dem 8. Jahrtausend v. Chr. eine Waldsteppe aus Kiefer, Birke und einem erlen- bzw. haselreichen Eichenmischwald die bisherige tundrenartige arktische Flora ab. Damit zogen Reh, Rothirsch, Wildschwein, Elch und Ur als wichtigste Jagdtiere ein. Geweihe und Schaufeln einiger dieser Tiergattungen wurden in den Mooren von Frankenthal und Vilmnitz gefunden.

Lietzow. Ortseingang mit Hinweis auf die mittelsteinzeitliche Lietzow-Kultur 2010.

Lietzow. Ortseingang mit Hinweis auf die mittelsteinzeitliche Lietzow-Kultur 2010

Rügen gehörte in dieser Zeit zu einem großen Landmassiv im westlichen Ostseebecken. Unsere Ostsee war damit ein abgeschlossener Süßwassersee (sog. Ancylus-See), dessen Ufer nördlich und östlich von Rügen (etwa im Arkonabecken) verlief. Im 8. Jahrtausend wanderten nun die ersten Menschen über diese Landverbindung – vermutlich aus dem dänisch-südschwedischen Raum – in das rügensche Gebiet ein. Bisher lassen sich ihre Siedlungsspuren nur in Tetel, Augustenhof und am Bergener Nonnensee nachweisen (B. Grams, Das Mesolithikum im Flachland zwischen Elbe und Oder. Berlin, 1973). Das waren dann gewissermaßen die ältesten Orte Rügens.

Seit dem 6. Jahrtausend veränderte sich die natürliche Umwelt in erheblichem Maße. Jetzt erfolgte ein Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Meter, so dass die Ostsee im 4. Jahrtausend den heutigen Küstenverlauf erreichte. Allerdings bestand Rügen nun aus mehreren Inseln (Wittow, Jasmund, Mönchgut usw.), deren verbindende Haken und Nehrungen (Schaabe, Schmale Heide, Bug) sich erst ausbildeten.

Aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. kennen wir inzwischen eine größere Anzahl von Siedlungsplätzen, deren Bewohner offenbar einer Wald- und Meerestierjagd nachgingen. Ausgrabungen bei Lietzow durch den Potsdamer Museumsdirektor Dr. Gramsch vor einigen Jahren erbrachten den Nachweis von Rothirsch, Wildschwein, Fischotter, Ur, Seehund, Wildpferd, Fuchs, Hund, Schwan und Reh als Jagdtiere. Angelhaken und Knochenspitzen lassen auf eine Angel- und Stechfischerei (besonders auf Hecht) schließen. Unklar bleibt leider der zeitliche Beginn dieser Kultur, da ihre Anfänge vom ansteigenden Meer überspült wurden und in erheblicher Tiefe liegen. Die Lietzow-Kultur endete vermutlich um 4000 v. Chr.

Feuersteingerät der Lietzow-Kultur vom Fundort Saiser-Buddelin. Klinge mit einer sogenannten Kantenretuschierung. Als Schneidegerät genutzt (nach B. Gramsch 1989, Archäologie in der DDR, Teil 2, S. 355 Abbildung)

Feuersteingerät der Lietzow-Kultur vom Fundort Saiser-Buddelin. Klinge mit einer sogenannten Kantenretuschierung. Als Schneidegerät genutzt (nach B. Gramsch 1989, Archäologie in der DDR, Teil 2, S. 355 Abbildung) 

Die wichtigsten Rohmaterialien bildeten Feuer- und Felsgesteine. Feuerstein lagert auf Rügen als senonischer Flint in den Kreideschichten.

Kreideabsturz mit deutlichen Feuersteinbändern. Man nutzte nur den „bergfrischen“ Feuerstein 1993

Kreideabsturz mit deutlichen Feuersteinbändern. Man nutzte nur den „bergfrischen“ Feuerstein 1993 

Damit entwickelte sich Rügen zu einem Rohstofflieferanten, dessen Bedeutung noch in den folgenden Jahrhunderten an Bedeutung gewann. Der Feuerstein ist spaltbar, hart und scharfkantig. Er diente zur Herstellung von Kleingeräten, wie Pfeilspitzen oder Sticheln, und Großgeräten. Erstmals tritt uns jetzt das Beil als Gerät entgegen. Da diese Beile aus einem Feuerstein-Kern geschlagen wurden, nennt man sie Kernbeile. Sie wurden noch nicht geschliffen und wirken daher etwas plump.

Feuersteingerät der Lietzow-Kultur vom Fundort Saiser-Buddelin. Kernbeil aus einem Rohling geschlagen (nach B. Gramsch 1989, Archäologie in der DDR, Teil 2, S. 355 Abbildung)

Feuersteingerät der Lietzow-Kultur vom Fundort Saiser-Buddelin. Kernbeil aus einem Rohling geschlagen (nach B. Gramsch 1989, Archäologie in der DDR, Teil 2, S. 355 Abbildung)  

Aus dieser mittleren Steinzeit fehlen bisher Grabstätten, ebenso wenig kennen wir die Siedlungen. Die Menschen lebten vermutlich in Schilfhütten, vielleicht aber auch in Fellzelten (ähnlich den Eskimos). Die Bevölkerung Rügens scheint in dieser Zeit nur einige hundert Menschen umfasst zu haben.

 

Die Jaromarsburg von Arkona ein welthistorisches Denkmal

Über Wittows Geschichte und Touristik seit über 400 Jahren

(OZ v. 27.2.1992) Das Nordkap Rügens, die beiden Leuchttürme und der slawische Burgwall „Jaromarsburg“ gehören, seit Rügen durch den Tourismus entdeckt wurde, zu den beliebtesten Reisezielen. Der Burgwall ist bereits zu erheblichen Teilen den Sturmfluten zum Opfer gefallen.

Obwohl er als welthistorisch bedeutendes Denkmal eigentlich allen Rüganern bekannt sein sollte, wurden erst kürzlich, unbegreiflicherweise beträchtliche Abtragungen auf den verbliebenen Erdwällen durch örtliche Verwaltungen vorgenommen.

Blick von der Wall-Innenseite nach Norden auf den Erdwall mit zahlreichen modernen Aufbauten 1967

Blick von der Wall-Innenseite nach Norden auf den Erdwall mit zahlreichen modernen Aufbauten 1967

Die nun durchgeführte Planierung des Erdwalles als Spazierweg hat das charakteristische Aussehen der Umwehrung schwer geschädigt. Hoffen wir, dass die weiteren historischen Bauwerke und Monumente Rügens vor ähnlichen Entstellungen bewahrt werden!

 „Das Swantevit-Heiligtum“

Blick vom damaligen Fischerdorf Vitt auf den slawischen Burgwall 1967

Blick vom damaligen Fischerdorf Vitt auf den slawischen Burgwall 1967

Die „Jaromarsburg“ stellte das zentrale Heiligtum der Westslawen im 12. Jahrhundert dar und ist den historisch interessierten Russen, Polen, Tschechen durchaus als Denkwürdigkeit bekannt. Die Slawen verehrten die vierköpfigen bzw. viergesichtigen Gottheit Swantevit, der die Zukunft weissagte und dessen hölzernes Abbild in einem besonderen Tempel stand. Als die Dänen das Götzenbild umstürzten, soll der Sage nach der Böse in Gestalt eines schwarzen Tieres entwichen sein.

Arkona im Jahre 1564

Arkonas Bedeutung als Tempelburg hatte sich durch das ganze Mittelalter als Sage erhalten. So erzählte man sich, dass hier eine große See- und Handelsstadt gestanden habe, die aber durch eine große Flut verschlungen wurde. Zuweilen soll sie aus dem Meer wieder auftauchen, und es sollen an jedem Ostermorgen die Glocken läuten. Der Heimatforscher Prof. Alfred Haas (1860-1950) hat diese Sage in Breege erfahren.

1564 machte sich der Bürgermeister Johann Lübbeke (geboren um 1520) auf die beschwerliche Reise von Treptow an der Rega (heute. Trzebiatów/Polen) nach Arkona. Er war einst Professor in Kopenhagen und weit gereist. Das wären 2014 vor 450 Jahren!

In Dänemark hatte er von der Eroberung Arkonas im Jahre 1168 gelesen und wollte nun „die einstige Hauptstadt Rügens“ kennen lernen. Allerdings war er enttäuscht, denn „was ich am 17. Oktober (1564) von den Trümmern des zerstörten Arkona habe sehen können, ist nur dürftig. Alles Übrige ist so völlig und vom Grunde aus zerstört, dass Äcker daraus geworden sind und solche zwischen Sand, Ziegel- und Kieselsteinen bebaut werden.“

Bereits damals hieß die Burg „Jaromarsburg“. Ihren Namen erhielt sie nach dem ersten geschichtlich überlieferten Fürsten Jaromar I. (gestorben 1218) von Rügen, der sich zum Christentum bekannte und in Bergen Kirche und Kloster erbauen ließ.

 Schutz und Erhalt des Burgwalls
(Die folgenden Textpassagen wurden im Sommer 2013 nachgesetzt, da sie wesentliches zur Geschichte des Burgwalls aussagen)

Bereits in den 1960er Jahren traten erhebliche Küstenverluste am Nordkap auf. Auf einer internationalen Tagung zum Denkmalschutz in Weimar äußerte mit anderen wichtigen osteuropäischen Denkmalpflegern der führende sowjetische Prähistoriker Akademie-Mitglied Prof. Dr. Rybakow (1908-1993) seine Sorge um den Erhalt des westslawischen Heiligtums und sprach sich für eine Verantwortung des deutschen Staates zum Schutz des erhaltenen Burgwalls aus. Man errechnete zwischen 1826 und 1978 einen Küstenverlust in Arkona um 30 m bis 40 m.

Der Verfasser dieses Textes wurde entsprechend beauftragt und gab damals zwei Vorschläge zur Sicherung des Klifffußes und des Strandes gegen maritime Kräfte. Eine Schutz-Variante war das Regelprofil eines Deckwerkes zur Sicherung des Fußes. Strand hätte aufgeschüttet und eine Molensteinpackung mit Kunststoff-Asphaltunterbau errichtet werden müssen. Derartige Bauten entstanden damals in Kühlungsborn. Eine weitere Variante zum Küstenschutz bildet ein Steinwall als Wellenbrecher.

Allerdings ist der Burgwall Arkona auch durch Oberflächenwasser (Quell- und Sickerwasser), das auch abzufangen wäre, durch die Lage der gleitenden Kreidescholle auf Wasser stauenden Tonbändern bzw. Mergel sowie durch Störungen der das Regenwasser aufnehmenden Flora durch Urlauber gefährdet. Nachdem bereits Anpflanzungen des Wallinneren in den Jahren 1962 und 1963 verhindert werden konnten, wurde nach 1973 ein Küstenschutzwald aufgeforstet. Ein eigentlicher Küstenschutz war zu DDR-Zeiten aus finanziellen Gründen nie erwogen worden, zumal ein Steinwall auch Strömungsversetzungen in die Tromper Wiek auslösen würde. Ob gegenwärtig derartige Gedanken aufgenommen werden?

Regelprofil eines Deckwerkes zur Sicherung des Klifffußes und des Strandes. Entwurf A. Leube, 1978

Regelprofil eines Deckwerkes zur Sicherung des Klifffußes und des Strandes. Entwurf A. Leube, 1978

Regelprofil eines Steinwalles als Wellenbrecher, Entwurf A. Leube, 1978

Regelprofil eines Steinwalles als Wellenbrecher, Entwurf A. Leube, 1978

Ausgrabungen 1969-1971

Unter der örtlichen Grabungsleitung des kürzlich verstorbenen Prähistorikers Dr. Hansdieter Berlekamp (1930-2010) fanden zwischen 1969 und 1971 archäologische Ausgrabungen an den gefährdeten Uferhängen des Burgwalles statt, die sich leider nur auf sondierende Suchgräben und kleinere Flächenabdeckungen beschränkten. Damals rekonstruierte man zwei Holz-Erde-Wälle und vermutete, dass der slawische Kultplatz bereits abgestürzt sei.

Arkona auf Rügen. Rekonstruktionsversuch einer zweiteiligen Burg des 9. und 10. Jahrhunderts mit einem Tempel. Entwurf A. Leube 1978

Arkona auf Rügen. Rekonstruktionsversuch einer zweiteiligen Burg des 9. und 10. Jahrhunderts mit einem Tempel. Entwurf A. Leube 1978

Nach 1990 setzten wegen weiterer Küstenabstürze verschiedene archäologische Ausgrabungen an, die auch gegenwärtig noch andauern. Zunächst grub der nicht nur auf Rügen bekannte Dipl.-Prähistoriker Peter Herfert, Bergen, der zu völlig neuen Erkenntnissen gelangte und der Meinung war, dass der slawische Kultplatz noch erhalten geblieben ist. Zahlreiche Studierende der Vor- und Frühgeschichte konnten dabei in „Top-Lage“ ihr berufliches Handwerk erlernen.

Arkona. Grabungssituation des Jahres 1998. Im Vordergrund der Student des Seminars für Prähistorische Archäologie an der Freien Universität zu Berlin Georg Leube

Arkona. Grabungssituation des Jahres 1998. Im Vordergrund der Student des Seminars für Prähistorische Archäologie an der Freien Universität zu Berlin Georg Leube

 

Ranenburg Rugard ist schon über 800 Jahre alt

(OZ v. 26.5.1977) Zu den Arbeiten der Akademie der Wissenschaften zu Berlin zur Erforschung der slawischen Geschichte Rügens gehört auch eine Untersuchung der Burg „Rugard“ (d. h. Ranen- oder Rügenburg). Die Slawen erbauten hier auf einem schmalen, nach drei Seiten jäh abfallenden Höhenrücken von über 90 Meter über dem Meeresspiegel, eine geschickte Verteidigungsanlage, von der mächtige Erdwälle bis zu 10 Meter Höhe längs des Weges nach Buschvitz zeugen. Die Burg war zweigeteilt. Die höher gelegene „Hauptburg“ trägt heute den Arndt-Turm und die Gaststätte. Die um eine Drittel kleinere Vorburg – hier befanden sich vor einigen Jahren Tiergehege – wird von schwächeren Erdwällen zangenartig umgeben und besitzt noch zwei alte Zugänge.

Rugard bei Bergen 1972. Alter slawischer Zugang zum Burgwall an der heute asphaltierten Landstraße nach Buschvitz. Hier verlief einst der Wallgraben.

Rugard bei Bergen 1972. Alter slawischer Zugang zum Burgwall an der heute asphaltierten Landstraße nach Buschvitz. Hier verlief einst der Wallgraben.

Die Burg bestand mit Sicherheit noch im 11. und 12. Jahrhundert und scheint später, neben Garz, zeitweiliger Sitz der rügenschen Fürsten gewesen zu sein. Man bezieht sich dabei auf eine Urkunde eines Jaromar II. von Rügen, der diese 1258 mit der Ortsangabe „datum Ruygart“ versah. Wenige Jahrzehnte später nennen Urkunden eine Kapelle auf dem Rugard, die 1291 dem Bergener Kloster geschenkt wurde. Die Kirche auf dem „Rygharde“ soll 1380 abgerissen worden sein.

Inneres des Rugard-Walles 1972. In der DDR-Zeit wurde ein völlig neuer Zugang zur neu errichteten „Rugard-Gaststätte“ errichtet.

Inneres des Rugard-Walles 1972. In der DDR-Zeit wurde ein völlig neuer Zugang zur neu errichteten „Rugard-Gaststätte“ errichtet.

Leider lassen die modernen Bebauungen in der Hauptburg keine größeren Aufschlüsse zur mittelalterlichen Geschichte erwarten, zumal später hier auch eine Mühle stand und die Innenfläche beackert wurde. Allerdings weisen bemerkenswerte Funde, wie ein romanisches Türschloss, arabische Münzen, ein Bildstein unbekannter Form u. a. auf die Bedeutung der Burg hin. Wir dürfen daher in ihr den Verwaltungsmittelpunkt des slawischen Burgbezirkes Gora (deutsch Bergen) sehen, dessen Funktion sich mehr und mehr auf die entstehende Stadt Bergen übertrug.

Zugang zum Burgwall 1970. Einsatz des Baggers beim Modernisierungsbau

Zugang zum Burgwall 1970. Einsatz des Baggers beim Modernisierungsbau

 Dieses historische Bild ist jedoch noch sehr ungenau. Die Erforschung der Umgebung des Rugard nach eventuellen slawischen Siedlungen und das Verhältnis zur Stadt Bergen sind noch zu klären. Lediglich der Stadtteil Gattmund dürfte eine slawische Wurzel besitzen. So sollten Bodenfunde bei Bau- und Erdarbeiten (Scherben, dunkle Verfärbungen u. ä.) sofort dem Kulturhistorischen Museum Stralsund gemeldet werden.

Blick vom Arndt-Turm auf die neue Rugard-Gaststätte 2010

Blick vom Arndt-Turm auf die neue Rugard-Gaststätte 2010

In den folgenden Jahrhunderten besaß der Rugard eine geringe Bedeutung. Er gelangte in den Besitz der Fürsten von Putbus. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtete die französische Garnison die ersten Bänke und Ausflugspunkte. Bald entstand die „Gastwirtschaft am Rugard“, die als einfache, aber gute Wirtschaft gelobt wurde. Im vorigen Jahrhundert endeten hier sehr oft Umzüge der Bergener. Auf dem Rugard fanden Sportveranstaltungen unter dem Motto „Muth, Kraft, Fleiß, Ausdauer!“ statt. Der Rugard wurde ein beliebtes Ausflugsziel der Einheimischen und der Stralsunder.

Pfingsten 1889 wurden allein an einem Tag 130 Kutschfahrten vom Bahnhof zum Rugard gezählt. Mit dem Bahnbau nach Sassnitz und Putbus verlor die Stadt Bergen als Ausflugsort an Bedeutung.

Innerhalb des Hauptwalles wurde zwischen 1869 und 1877 durch Aufschüttungen und Planierungen der etwa 27 m hohe Ernst-Moritz-Arndt-Turm als Aussichtsturm errichtet 2010

Innerhalb des Hauptwalles wurde zwischen 1869 und 1877 durch Aufschüttungen und Planierungen der etwa 27 m hohe Ernst-Moritz-Arndt-Turm als Aussichtsturm errichtet 2010

Fast zwei Jahrhunderte „Schwedenzeit“

König Gustav IV Adolf hob Pommersche Verfassung und die Leibeigenschaft auf

(OZ v- 5.11.1976) Rügens militärisch-strategische und wirtschaftliche Bedeutung führte seit dem 12. Jahrhundert  zu verschiedenen Kriegen um seinen Besitz. Weniger bekannt ist eine längere schwedische Verwaltung zwischen 1630 und 1815. Diese Epoche verbindet gleichzeitig unsere beiden Ostseeländer und wird daher auch gemeinsam von den Historikern erforscht.

Schweden hatte sich im 17. Jahrhundert zu einer europäischen Großmacht entwickelt und innerhalb des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) u. a. das damalige Vorpommern bis zur Peene besetzt. Schweden behielt es bis zur preußischen Übernahme am 19. September 1815.

Ehemaliges Herrenhaus Spyker 1980, errichtet Ende des 16. Jahrhunderts, umgebaut durch den schwedischen General v. Wrangel (1613-1676) um 1650. Zu DDR-Zeiten war es ein Ferienheim des FDGB, heute Restaurant und Hotel.

Ehemaliges Herrenhaus Spyker 1980, errichtet Ende des 16. Jahrhunderts, umgebaut durch den schwedischen General v. Wrangel (1613-1676) um 1650. Zu DDR-Zeiten war es ein Ferienheim des FDGB, heute Restaurant und Hotel.

In diesem Zeitraum vollzogen sich die Entwicklung finsterster feudaler Ausbeutung der Bauernschaft und die Bildung des adligen Großgrundbesitzes. Durch das sogenannte Bauernlegen, bei dem der Grund und Boden des Bauern entschädigungslos dem Herrenhof zugeschlagen wurde, verringerte man den Bauernstand beträchtlich. Hinzu kamen ungeheure Frondienste (Hand- und Spanndienste), die bis zu fünf Tage wöchentlicher Arbeit auf dem Herrenhof umfassten, sowie unzählige Abgaben. Auf Rügen war es Zehnt und Gült, Grundzinsen, Herdgeld, Pfingstlamm, Martinsgans, Fastnachtshühner, die besten Stücke aus dem Nachlass des Bauern (sog. Besthaupt oder Buttteil) usw.

Altes Bauernhaus in der „Rugard-Heide“ am Wege von Bergen nach Buschvitz 1958. Alte Fischernetze dienten als Zaunbegrenzungen. Das Haus wurde wenige Jahre später aufgegeben und existiert nicht mehr.

Altes Bauernhaus in der „Rugard-Heide“ am Wege von Bergen nach Buschvitz 1958. Alte Fischernetze dienten als Zaunbegrenzungen. Das Haus wurde wenige Jahre später aufgegeben und existiert nicht mehr.

Nach 1780 wurde diese Ausbeutung besonders verschärft, und man legte ganze Bauerndörfer. Ernst Moritz Arndt, ein mutiger Kämpfer gegen die Leibeigenschaft, gibt uns eine Schilderung: „Auf Rügen wütete dies Unheil (des Bauernlegens) viel schlimmer als in Pommern, weil dort der kleinste und ärmste Adel war, auch wurden im ganzen die Leute auf Rügen viel strenger gehalten als in Pommern …“ 1797 erhoben sich die Tagelöhner und „gelegten“ Bauern in Boldevitz gegen die Gutsherrschaft. Ihr Aufstand wurde durch Militär niedergeworfen. Zu dieser Zeit waren zwei Drittel der Landbevölkerung leibeigen. Etwa 1000 Menschen flohen (nach Arndt) zwischen 1780 und 1800 von der Insel.

Groß Schoritz. Herrenhaus 2005.  Hier wurde Ernst Moritz Arndt am 26. Dezember 1769 geboren.

Groß Schoritz. Herrenhaus 2005.
Hier wurde Ernst Moritz Arndt am 26. Dezember 1769 geboren. 

Diese unmenschliche Politik wurde vom pommerschen Adel sowie vom oft feudal verketteten Bürgertum getragen, die sich auf reaktionäre Gesetzgebungen von 1616 und 1646 stützten. Die schwedische Regierung versuchte seit dem Ausgang des 17. Jahrhunderts durch eine progressive Agrarpolitik, einen wirtschaftlich und militärisch leistungsfähigen Bauernstand zu schaffen. Um eine gerechtere Steuerregelung zu erreichen, wurde auf Rügen eine neue Landvermessung vorgenommen. Gleichzeitig bemühten sich die Schweden um eine Lockerung der Leibeigenschaft durch das System des Pachtbauern. Seit 1780 parzellierte die Regierung daher einige Domänen und schaffte verschiedene Frondienste ab.

Stralsund, Badenstr. 17. Der 1726 bis 1730 erbaute Sitz des schwedischen Generalgouverneurs. Hier erfolgte 1815 die Übergabe Schwedisch Vorpommerns an Preußen.

Stralsund, Badenstr. 17. Der 1726 bis 1730 erbaute Sitz des schwedischen Generalgouverneurs. Hier erfolgte 1815 die Übergabe Schwedisch Vorpommerns an Preußen.

Leider blieben diese Maßnahmen meist erfolglos, da entsprechend der Pommerschen Verfassung die Landstände für die Innenpolitik maßgebend waren. Diese Landstände, seit 1650 standen ihnen die Grafen und später die Fürsten von Putbus vor, umfassten jedoch nur Vertreter der Ritterschaft, der Geistlichkeit und der Städte (auf Rügen waren es Bergen und Garz). Um 1800 versteifte sich der Widerstand des Adels gegen weitere positive schwedische Reformen. So hob der schwedische König Gustav IV Adolf die Pommersche Verfassung und die Leibeigenschaft auf. Objektiv führte das zu einer Entfaltung der nationalen Kräfte und zur Entlarvung der antinationalen Haltung des pommerschen und rügenschen Adels. Da die Bauern sich aus der Leibeigenschaft  freikaufen mussten, waren viele gezwungen, ihren Besitz dem Gutsbesitzer anzubieten oder noch einige Jahrzehnte ihre Schulden abzuarbeiten.

Stralsund, Badenstraße 39. Das um 1700 erbaute Landständehaus. Hier tagte der Neuvorpommersche Kommunallandtag bis 1881.

Stralsund, Badenstraße 39. Das um 1700 erbaute Landständehaus. Hier tagte der Neuvorpommersche Kommunallandtag bis 1881.

 Der Anschluss an die preußische Monarchie 1815 erfolgte keineswegs mit der Begeisterung, wie sie uns die ältere Heimatliteratur vorgaukelt. Adel und Bürgertum fürchteten um ihre Privilegien, wie den Getreidehandel mit Schweden. Noch einige Tage vor der Übergabe drückten die Landstände ihr Bedauern darüber aus. Die ausgebeuteten Klassen sahen in der schwedischen Regierung einen Beschützer und konnten nach den Maßnahmen von 1806 kaum eine Besserstellung erwarten.

Blick vom „Tempelberg“ bei Bobbin auf Schloss Spyker 1970. Im Hintergrund der Spykersche See und die Tromper Wiek. Bildautor unbekannt

Blick vom „Tempelberg“ bei Bobbin auf Schloss Spyker 1970. Im Hintergrund der Spykersche See und die Tromper Wiek. Bildautor unbekannt

Aus dieser Schwedenzeit haben sich auf Rügen nur wenige Spuren erhalten, so etwa das Schloss Spyker, das der schwedische Feldmarschall und Generalgouverneur Carl Gustav von Wrangel 1649 als Lehen erhielt und umbaute. Hier starb er auch 1676. In der plattdeutschen Mundart erhielten sich einige Begriffe (wie „Linjons“ für Preiselbeere) und in der Volkskultur einige Bräuche (wie Julklapp und das Tonnenreiten).

Einmalige Denkmalslandschaft

(OZ v. 25.5.1978) Die Nutzung der Stubnitz durch Waldweide, Kohlen-Meilerwirtschaft, Bau- und Brennholzgewinnung führte im Laufe der letzten Jahrhunderte zu einer Reduzierung des Waldes, der ursprünglich weite Teile Jasmunds bedeckte. Dabei veränderte sich der Baumbestand durch das Eindringen der Hain- und der Rotbuche zu Ungunsten der Eiche. Nadelholzanpflanzungen erfolgten sogar erst nach 1820. In diesem Jahrhundert durchforstete man die Stubnitz mit Eichen, Kiefern, Fichten und Lärchen, so dass heute etwa 80 Prozent Rotbuche, elf Prozent Fichte, Douglasie und Tanne, 2,5 Prozent Lärche und Kiefer, 1,9 Prozent sonstiges Laubgehölz zu registrieren sind (Dost, H. Rügen. Die Grüne Insel und ihre Naturschutzgebiete, 1960).

Stubnitz. Altes Torfmoor am Falsinger Berg 2009

Stubnitz. Altes Torfmoor am Falsinger Berg 2009

Die Nutzung der Stubnitz durch die rügensche Bevölkerung wurde spätestens seit dem16. Jahrhundert durch die herrschende Klasse weitgehend eingeschränkt. Das Waldgebiet gehörte den pommerschen Fürsten, die 1546 eine „Holzordnung“ erließen. Man durfte den Wald nur noch zu bestimmten Zeiten und auf festen Wegen, die durch „Baumhäuser“ kontrolliert wurden, betreten. Die Stubnitz wurde damit fürstliches Jagdrevier für Hochwild. Das Jagdrecht blieb auch später in den Händen des Adels und des gehobenen Bürgertums, die im Frühjahr auf Schnepfen jagten. Allein 1894 wurden in den Jagdrevieren des Fürsten von Putbus – dazu gehörten u. a. auch Teile der Stubnitz – fast 7000 Stück Nutzwild erlegt, darunter 200 Stück Rot- und Damwild, über 2000 Fasane und fast 2000 Kaninchen. Es jagten neben einigen Offizieren die Barone von Veltheim (Neklade) und von der Lancken-Wakenitz (Boldevitz) sowie der Fürst selbst. Die Förster fungierten bei den Hochwildjagden in der Regel als Treiber und Organisatoren.

Großsteingrab des Typs „Großdolmen“ Pfennigskasten in der Stubnitz 2009.  Erhalten sind nur noch die Wandsteine. Die Deckplatten fielen den  Steinschlägern zum Opfer.

Großsteingrab des Typs „Großdolmen“ Pfennigskasten in der Stubnitz 2009.
Erhalten sind nur noch die Wandsteine. Die Deckplatten fielen den
Steinschlägern zum Opfer.

Die Stubnitz ist eine einmalige Denkmalslandschaft. Bis heute haben sich über 200 Hügel- und Großsteingräber aus der Stein- und Bronzezeit erhalten, deren Pflege und Erhaltung gleichfalls in den Landschaftspflegeplan gehört. Auch in den Jahrhunderten n. Chr. G. scheint die Stubnitz – besonders in ihrem westlichen Teil – von Menschen besiedelt gewesen zu sein. Neben seltenen Pflanzen, den einzigartigen Kreideablagerungen, den größten Kalktuffterrassen im Norden der DDR Nordosten Deutschlands und Schwefelquellen bietet die Stubnitz also auch den historisch interessierten Touristen Gelegenheit zur Erholung und Bildung. Begrüßenswert sind die vielfältigen Aktivitäten des Rates der Stadt Sassnitz und des Kulturbundes, deren Ziel darin besteht, die Stubnitz noch attraktiver zu gestalten. Das betrifft das Aufstellen von Hinweistafeln, das Anlegen von Wanderwegen und den Bau von Schutzhütten.

 

Aus Rügens jüngster Vergangenheit

Band 11 des „Greifswald-Stralsunder Jahrbuches“ mit zehn interessanten Artikeln über unsere Insel

( OZ, 6.1.1978) Ende 1977 erschien der 11. Band des „Greifswald-Stralsunder Jahrbuches“. Diese regionalgeschichtliche Zeitschrift – sie wird seit 1961 herausgegeben – veröffentlicht Forschungen aus und über den Nordosten unserer Republik. Von den 17 Beiträgen in diesem Band gehen allein zehn mehr oder weniger direkt auf Rügen ein. Dr. Harry Schmidt, Greifswald, untersucht die „Schmale Heide“ bis zum Jahre 1855. Die hier gelegenen Feuersteinfelder – sie entstanden zwischen 2000 und 1500 v. Chr. – wurden erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts teilweise aufgeforstet, solange galten sie als Tierweide.

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Feuersteinfelder von Prora 1985

Am Beispiel der ehemaligen Insel „Großer Stubber“ – der heutigen „Großer Stubber-Bank“ – einige Kilometer von Thiessow im Greifswalder Bodden zeigt L. Mohr, Greifswald, die zerstörenden Eingriffe des Menschen in die Natur während des vorigen Jahrhunderts. Die Insel war noch 1835 mit „Strauchwerk von ziemlicher Höhe“ bewachsen. Danach baute man hier Kies ab und entfernte die schützenden Findlinge. Mohr geht auch der Frage nach, ob dieses Eiland den Rest einer großen Landbrücke bildet.

Die breite Palette der Aufsätze umfasst dann Probleme der rügenschen Rechtsgeschichte und Eigentumsverhältnisse des hohen Mittelalters. In einer Untersuchung wird auch der Münzfund von Gingst, den Werner Plitzkow aus Gingst barg und dem Museum Stralsund übergab, der interessierten Öffentlichkeit vorgelegt. Die Münzen wurden 1631 während des Dreißigjährigen Krieges verborgen.

In einer umfangreichen Arbeit stellt J. Kornow, Greifswald, die Rolle der Arbeiterklasse bei der Entwicklung der Organe der Volksmacht in Mecklenburg von 1945 bis 1952 dar. Die Hauptrolle bei der politischen Orientierung in jenen ersten Jahren nahm die Initiativgruppe des ZK der KPD unter der Leitung von Gustav Sobottka ein. Als Instrukteure wirkten auf Rügen die Mitglieder Anton Switalla und Gottfried Grünberg. Gestützt auf authentische Materialien und Statistiken lässt sich der komplizierte Weg des Aufbaus der neuen Gesellschaft in mehreren Etappen nachvollziehen. Bei den Gemeindewahlen am 15. September 1946 gehörten von den 838 Gemeindevertretern Rügens 741 der SED an.

Bergen. Bahnhofsvorplatz. Friedhof gefallener Soldaten der Roten Armee 1987.

Bergen. Bahnhofsvorplatz. Friedhof gefallener Soldaten der Roten Armee 1987.

Analog dazu untersucht Franz Scherer, Greifswald, die Entwicklung der genossenschaftlichen See- und Küstenfischerei von 1945 bis 1957. Scherer unterstreicht die Hilfe der Sowjetischen Militäradministration beim Aufbau des Fischereiwesens. So konnte am 1. Januar 1949 mit zwölf Kuttern des VEB Ostseefischerei Mecklenburg in Sassnitz seine Arbeit aufnehmen 1954 entstanden in Dranske und Glowe die ersten rügenschen Produktionsgenossenschaften werktätiger Fischer (PWF, später FPG).

 

 

Fischereihafen von Saßnitz im Jahre 1955. Aufnahme: Kurt Leube, Bergen.

Fischereihafen von Saßnitz im Jahre 1955. Aufnahme: Kurt Leube, Bergen

1957 kam es auf Anregung des 1. Sekretärs der SED-Kreisleitung Rügen, Georg Ewald, zur ersten Konferenz der Fischereiproduktionsgenossenschaften. Hier wurden die Überlegenheit sozialistischer Produktion herausgestellt und Fragen der innergenossenschaftlichen Demokratie und der Entlohnung nach dem Leistungsprinzip diskutiert. 1960 war die sozialistische Umgestaltung der See- und Küstenfischerei im Wesentlichen abgeschlossen.

Das „Greifswald-Stralsunder Jahrbuch“, Band 11, weist eine beträchtliche Vielfalt auf. Erfreulich ist dabei, dass in fünf Beiträgen unsere jüngste Vergangenheit dargestellt ist und damit auch dem Orts- und Betriebschronisten oder dem Geschichtslehrer, wie allgemein dem historisch Interessierten, Anhaltspunkte gegeben und Zusammenhänge analysiert werden. Man wünschte sich für die Zukunft auch Anschriften im Jahrbuch vermerkt, um Anfragen an die Verfasser richten zu können.

 

Alte rügensche Bräuche und Sitten zur Jahreswende

(OZ v. 31.12. 1974)

Die Jahreswende nahm seit jeher im Leben der Menschen eine gewichtige Stellung ein. Sie galt als kritisches Datum in der Auseinandersetzung mit den Geistern des Unheils um ein neues, glückliches Sonnenjahr. Für den Bauern war das eine lebenswichtige Frage, und er versuchte durch magische Handlungen, diesen Prozess günstig zu beeinflussen. Auf Rügen scheint sich dieser Aberglauben besonders stark ausgebildet zu haben.

Als Vegetationszauber (Mehrung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse) ist das Umbinden der Obstbäume mit Stroh und einer eingeflochtenen Münze zu verstehen. Dazu sprach man: „Appelboom ick bind di, nächstes Johr, da dienst du mi“. Die Hausfrau buk den „Nijohrskauken“ (Brotteig mit Anis und Backpflaumenfüllung), damit das Brot im kommenden Jahr nicht ausging. Als besonderes Neujahrsgebäck galten auf Rügen die noch heute bekannten Tollatschen (Kuchen mit Apfelmus, Pflaumen und Rosinen). Diese Bräuche waren mit dem „Herd abbacken“ in der Silvesternacht verbunden.

Pikant sind einzelne Liebesorakel: Ging ein Mädchen dreimal nackt ums Haus, so begegnete ihr ein Mann, der dem künftigen Ehemann ähnelte. Oder: Auf Wittow klopften die Mädchen einzeln an die Tür des Schweinestalles, antwortete ein junges Schwein, so bekam sie einen jungen Mann.

Jüngeren Datums sind einige von Haas im Jahre 1920 aufgezeichnete Bräuche: So sammelten in Bergen die Nachtwächter ein Silvestergeschenk für sich ein. Dasselbe geschah durch die Schornsteinfegergesellen am Neujahrstag.

Ein Brauch, der vermutlich katholischen Ursprungs war, hielt sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auf Jasmund. Es war der Umzug der „Stirnkieker“, die mit weißen Hemden und Hüten bekleidet von Dorf zu Dorf zogen, eine längere Dichtung, teils gesprochen, teils gesungen, vortrugen und dafür Geld und Lebensmittel erhielten.

Dieses Brauchtum läßt sich noch ergänzen durch die Heischezüge, bei denen besonders die Jugend Eier, Kuchen und Geld erbat. Diese Umzüge erreichten in der Fastnacht ihren Höhepunkt und berühren damit einen anderen interessanten Themenkreis, das Frühjahrsbrauchtum.

Mag uns an diesem Brauchtum vieles unverständlich und kurios erscheinen, so müssen wir doch Verständnis für die damalige bäuerliche Lebensweise und die soziale Stellung unserer Vorfahren aufbringen. Sozialer Notstand, immerhin waren 1783 von den 21 000 Einwohnern Rügens 70 Prozent leibeigen – allgemeine Unwissenheit und andere Gründe bildeten einen günstigen Nährboden für diese Art von Aberglauben.

Mit Kegelmütze, Schnürleib und Kniehosen

(OZ v. 28.4.1977)

Jahrhundertealte Mönchguter Tracht, Im Göhrener Heimatmuseum wird sie aufbewahrt

Zu den bekanntesten Erscheinungen der der rügenschen Volkskultur gehört die Mönchguter Tracht, die gewissermaßen als das rügensche Symbol Eingang in die Werbung und in den Tourismus fand. Die DDR würdigte diese Tracht sogar durch die Ausgabe einer Briefmarke als Zusammendruck von Frauen- und Männertracht. Die beste Information vermittelt jedoch das Göhrener Heimatmuseum. Hier ist es der langjährigen Leiterin Ruth Bahls zu verdanken, dass mit Akribie und unter großen Schwierigkeiten sämtliche Trachtteile zusammengestellt und der Öffentlichkeit zugängig gemacht wurden.

Historische Postkarte, ca.1910

Historische Postkarte, ca.1910

Die Tracht, die als „einfach und zweckmäßig, zurückhaltend und sparsam in den Farben“ bezeichnet wird, verkörpert nach einigen Wissenschaftlern „Ernst und Würde, und jene Schlichtheit, die Zeichen der Anspruchslosigkeit …“ ist. Sie wurde fast ausnahmslos im Haushandwerk hergestellt und ließ sich von Prinzipien strenger Sparsamkeit leiten. Das typische der Frauentracht bestand in einer kegelförmigen Mütze, dem Schnürleib, buntfarbigen Kanten- und dunklen Oberröcken. Ein bunt gestreiftes Mieder war mit Perlen besetzt und galt als eigentliches Zierstück der Tracht. Für die Männer war die bunt gestreifte Weste, eine offene Drillichjacke, und weite Kniehosen charakteristisch.

Da die frühesten Nachrichten zur Mönchguter Tracht erst 1730 einsetzten und genauere Beschreibungen sogar erst um 1800 erfolgten, bleibt ihre Entstehung und Herkunft eine noch weitgehend ungeklärte Frage. Nach älterer Auffassung – neuere Forschungen fehlen leider – bildete sich diese Tracht seit dem späten 16. Jahrhundert heraus und nahm besonders im 19. Jahrhundert verschiedene neue Kleidungsstücke auf (z. B. den Strohhut und die Perlenstickerei bei der Frau, Zylinderhut, Schirmmütze und langer Überrock für den Mann).

Weniger bekannt ist, dass eine ähnliche Tracht noch bis 1800 auf Ummanz und Hiddensee getragen wurde. Vermutlich weisen diese drei Trachtengebiete auf eine ursprünglich weit verbreitete, einheitliche Tracht im südlichen Ostseeküstengebiet (ähnliches gab es auch auf dem Darß und auf Usedom). Die Tracht hielt sich nur in kirchlichen Ländereien mit einer kulturellen und verkehrsmäßigen Abgeschlossenheit – Ummanz, Hiddensee und Mönchgut waren Klosterbesitz im Mittelalter. In den anderen gebieten vernichtete die verschärfte Ausbeutung seit dem 16. Jahrhundert das selbständige Bauerntum (sog. Bauernlegen und Entstehen der großen Güter mit Landarbeitern) und verhinderte die Ausbildung bzw. den Bestand einer bäuerlichen Tracht.

Historische Postkarte, 1901

Historische Postkarte, 1901

Verschiedentlich, so auch auf Rügen, versucht man im 20. Jahrhundert durch Trachtenfeste eine Konservierung dieser Kultur zu erreichen, allerdings ohne Erfolg. Während 1914 noch zehn Prozent der Bevölkerung Mönchguts die Tracht anlegten, waren es 1930 nur noch 55 ältere Leute. Nach 1945 sah man verschiedentlich noch manches praktische Kleidungsstück, wie die weiten Kniehosen und den Handschuh mit den beiden Daumen (sog. Dümlings), obwohl noch größere Trachtenteile zum Familienerbe gehörten. Die Binzer Likedeeler und die Tanzgruppe von Alt-Reddewitz sorgten in den 70er und 80er Jahren dafür, dass die Mönchguter Tracht nicht völlig in Vergessenheit geriet.

Alte Rügensche Bräuche und Sitten zum Weihnachtsfest

(OZ v. 24.12 1976)

Rumprekker brachte Peppernöt

Ursprünglich erwuchs die Sitte der Gabenverteilung (Äpfel, Nüsse, Süßigkeiten) aus alten winterlichen Kultbräuchen. Ausgeübt wurden sie durch vermummte Personen oder Tiergestalten. Daran erinnert noch der Name des „Knecht Ruprecht“ als rauher „Percht“. Im Niederdeutschen ist er als „Ruger Klaas“ bekannter.

Auf Mönchgut erschien – wie F. Adler mitteilte – der „Rumprekker“. Ertrug eine Gesichtsmaske und in der Hand eine Rute bzw. einen mit Holzasche gefüllten alten Strumpf. Sein Mitbringsel waren nur einige „Peppernöt“. Auch die Geschenke der Familienmitglieder untereinander wurden recht prosaisch mit den Worten „Hu, Julklapp“ zur Tür hineingeworfen. Das waren dann die schön verzierten Webbrette, Flachsschwingen, u. ä., die wir in den Museen von Garz, Göhren und Stralsund bewundern können.

Sogenannte Flachsschwingen, landwirtschaftliches Werkzeug

Sogenannte Flachsschwingen, landwirtschaftliches Werkzeug

Der kleine Tannenbaum, außerordentlich reich behangen mit Ketten getrockneter Pflaumen und Rosinen, Äpfeln, Nüssen und Gebäck in Tierform, wurde erst am nächsten Morgen angezündet. Das Festessen an diesem Tag war Schweinebraten mit Reis und Backpflaumen.

Auch in den anderen Teilen Rügens fand am Weihnachtsabend ein Umzug statt. Etwa bis 1830 zog ein Ziegenbock, gebildet aus zwei jungen Burschen, einem Laken und einem jugendlichen Reiter, in der Umgebung von Altefähr von Haus zu Haus. Mit zwei mächtigen Bockshörnern ausgestattet, ängstigte man die Kinder und erhielt schließlich eine kleine Gabe.

Der Ziegenbock konnte auch von einer Person, die auf einer Astgabel ritt, mit einem Laken gebildet werden. Vorn wurde ein geschnitzter Ziegenkopf getragen. Im damaligen Pommern hieß sie „Schnabuck“, und im Stralsundischen ritten der Ruklaas auf einem Schimmel und sein Begleiter Rumpsack auf einem Bock. Begleiter des „Schnabuckes“ trugen Kiepen mit Nüssen und Äpfeln und spendeten den Kindern, worauf sie von deren Eltern ein kleines Geldgeschenk erhielten. Dieser Umzug ist auf Rügen noch 1852 bezeugt.

Zuweilen war der Ziegenkopf mit einem Klapperinstrument verbunden und wurde dann als „Klapperbock“ bezeichnet. Trat an die Stelle des Ziegenkopfes ein Pferdekopf, war die Gestalt des Schimmelreiters gegeben. Dieses Brauchtum war im Südwesten unserer Insel verbreitet und erinnert an Umzüge und Gestalten, wie wir sie heute noch aus den Alpenländern kennen.

Die sogenannten heiligen zwölf Nächte umfassen den Zeitraum zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar (Heilige Drei Könige). Keine Zeit des Jahres besaß derartig viele abergläubische Gebräuche wie diese. Oft setzte man die Rauhnächte (rau = wilder Spuk) bereits mit dem Andreastag (30. November) an. In dieser Zeit wütete das „wilde Heer“. Fruchtbarkeitszauber, Dämonenabwehr und Totenehrung bestimmten fast alle Handlungen, die sich bis weit in die germanische Frühgeschichte zurück verfolgen lassen. Während dieser Zeit durfte nicht gewaschen und keine Wäsche getrocknet werden, da andernfalls einer aus der Familie sterben müsse. Man durfte nicht spinnen und nicht in der Erde graben.

Franziska Tiburtius – eine Rügener Ärztin

(OZ v. 29.4.1977)

Eine der ersten deutschen Ärztinnen war die auf Rügen geborene Franziska Tiburtius, deren Todestag sich am 5. Mai 1977 zum 50. Male jährt. Am 24. Januar 1843 hat sie in Bisdamitz (plattdeutsch Bißmitz) das Licht der Welt erblickt. Mit 84 Jahren war sie 1927 in Berlin verstorben. Franziska Tiburtius entstammte einer alten Pastorenfamilie, die im 18. Jahrhundert auf Rügen ansässig geworden war. Ihre Kindheit verlebte sie unbeschwert als Kind eines Pächters und bewies bereits hier eine enge Bindung zum einfachen Volk, die ihr ganzes Leben charakterisierte.

Bisdamitz, Geburtshaus von Franziska Tiburtius 1920

Bisdamitz, Geburtshaus von Franziska Tiburtius 1920

In einer Fülle von Mitteilungen gibt sie uns in ihren „Erinnerungen“ einen Einblick in die gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit zwischen 1850 und 1870 auf Rügen. Darunter befinden sich bemerkenswerte Aussagen zur Volkskunde Mönchguts und den damaligen sozialen Zuständen.

1851 zog die Familie nach Stralsund. Gute Schulergebnisse veranlassten ihre Ausbildung als Hauslehrerin. Darüber schrieb sie: „Es gab damals eigentlich nur einen Beruf, der für gebildete Frauen aus „guter Familie“ wählbar war, den der Lehrerin“.

Angeregt durch ihren Bruder Carl – einen Arzt – und dessen spätere Frau, die sich 1869 als erste deutsche Zahnärztin (Studium in den USA) in Berlin niederließ, nahm Franziska Tiburtius 1871 das Studium der Medizin in Zürich auf. Im damaligen Deutschland war ein Frauenstudium unmöglich: „darüber ließen private Anfragen an maßgebenden Stellen nicht den geringsten Zweifel, eine offizielle Anfrage würde als sehr unzeitgemäßer Scherz betrachtet. So blieb nur das Ausland übrig.“ In Zürich kam Franziska Tiburtius mit russischen Revolutionären und Anarchisten, besonders jungen Frauen, zusammen und nahm Partei für ein „gebildetes Proletariat“. Ihr politischer Blick weitete sich und sie begann, Anteil an der internationalen Frauenbewegung zu nehmen.

Am 16. Februar 1876 bestand sie in Zürich ihre Promotion zum Dr. med. mit dem Prädikat „sehr gut. Zwischendurch gab es immer Szenen und Provokationen etwa derart: „Ach so, Sie studieren Medizin, na ja, wir wollen nicht davon sprechen!“

Humorig schilderte Franziska Tiburtius einen Zwischenaufenthalt in Rambin, wo sie z. B. einer alten Frau einen Bruch des Unterschenkelknochens schiente. Im Lazarett in Bergen – dem Vorläufer des heutigen Krankenhauses – war man sehr zufrieden und es hieß: „De Öbberste hett seggt, dat wier wunderschön makt, dat kunn keen Perfesser bäter maken.“ Die Rambiner boten ihr sogar eine Gemeindepraxis an. Das schätzte sie wertvoller als jedes Ehrendiplom ein.

Ende 1876 ging sie mit ihrer Freundin, Dr. med. Emilie Lehmus, auch diese hatte in Zürich studiert, nach Berlin, um eine Praxis in einer Arbeitergegend zu eröffnen. Das bedeutete zahllose Schwierigkeiten, in die sich auch eine „Leuchte der Wissenschaft“, der Geheimrat Prof. Dr. R. V. (Rudolf Virchow – der Verf.) einschaltete. Beide Ärztinnen praktizierten dann in „einer kleinen, halbdunklen, im Erdgeschoss liegenden Hofwohnung“ unweit des heutigen Alexanderplatzes. „Mehrere tausend Patientinnen gingen uns im laufe eines Jahres durch die Hände, und wir hatten das erhebende Gefühl, wirklich Nutzen zu schaffen“, schrieb Franziska Tiburtius. Zeitweise mussten sie ihren medizinischen Titel gegen die männlichen Ärztekollegen verteidigen und ein Türschild „Dr. med. der Universität Zürich“ führen, was den Zuspruch sogar erhöhte.

Erst 1894 nahmen die deutschen Universitäten Frauen als Gasthörerinnen auf und ließen sie sogar erst 1898 zur Staatsexamensprüfung zu. So liegt die Bedeutung Franziska Tiburtius´ in ihrem beispielgebenden Leben und in ihrem Einsatz für die Rechte der Frau in Beruf und Studium. Heute ist den Frauen auch auf diesem Gebiet zur vollen Gleichberechtigung verholfen.

 

Zwei Bergener Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts

OZ v. 17.3.1977

Friedrich Carl Arndt und Johann Jacob Grümbke

Friedrich Carl Arndt war der Lieblingsbruder Ernst-Moritz Arndts und wurde am 19. Januar 1772 in Groß-Schoritz geboren. Nach dem Studium der Jura in Greifswald wirkte er ab 1799 in Bergen zunächst als Advokat, dann als Prokurator am Kreisgericht und schließlich von 1809 bis 1815 als Stadtrichter und „gelehrter Bürgermeister“ (Bergen besaß damals stets zwei Bürgermeister).

Dieser äußerst geistvolle Mensch stellte sich gegen das Junkertum, das er in Bauernprozessen bekämpfte 1806 schrieb er: „Die Halunken haben in dem letzten halben Jahrhundert das Beste zerstört, was in diesem süßen Ländchen war: Wo haben wir noch Bauerndörfer?“ Idealistisch hoffte er auf eine Umstellung der Adligen und der gesellschaftlichen Verhältnisse, nachdem 1806 die Leibeigenschaft aufgehoben wurde.

Mit 43 Jahren starb Carl Friedrich Arndt am 2. Juni 1815 in Stralsund. Seine Grabstelle gilt als unbekannt. Dagegen vermutete der Garzer Heimatforscher E. Wiedemann, dass er in Bergen im Eckgebäude des Marktes, dem heutigen Haus Karl-Marx-Platz Nr. 1, neben der großen Kastanie gewohnt habe (Vgl. dazu auch E. Hildebrandt, 350 Jahre Stadt Bergen. Putbus, 1963, S. 53 ff.)

Ernst-Moritz Arndt veröffentlichte den literarischen Nachlass seines Bruders in Teil 1 der „Schriften für und an seine lieben Deutschen“.

Ein Zeitgenosse, und gleichfalls eng mit Ernst-Moritz Arndt verbunden war Johann Jacob Grümbke, der am 6. September 1771 in Bergen geboren wurde und oft als „Vater der rügenschen Heimatforschung“ bezeichnet wird. Grümbke war sehr vielseitig – so ist er auch als Zeichner und Dichter bekannt – und wie Friedrich Carl Arndt schrieb „für Bergen viel zu gelehrt; er könnte jeden Tag Professor der Botanik oder Physik werden“.

Alter Friedhof Bergen, Grabstätte Johann Jacob Grümbke 2008

Alter Friedhof Bergen, Grabstätte Johann Jacob Grümbke 2008

So erhielt er 1830 auch die Würde eines Ehrendoktors der Universität Greifswald verliehen. Seine bedeutendste Arbeit erschien 1819 unter dem Titel „Neue und genaue geographisch-statistisch-historische Darstellungen von der Insel und dem Fürstenthum Rügen“. Sie ist die grundsätzliche Basis jeglicher Forschung auf Rügen.

Wenn auch das persönliche Leben Grümbkes weitgehend unbekannt blieb, so ist seine fortschrittliche Weltanschauung durch schriftliche Quellen bezeugt. Auch er verfiel in Pessimismus und Resignation – gestützt durch das Leiden an Gesichtskrebs – und zog sich als Junggeselle in die Isolation zurück. In seiner Wohnung oberhalb der einstigen „Löwen-Apotheke“ am Markt starb er am 23. März 1849. Seine Grabstelle auf dem alten Bergener Friedhof ist zwar bekannt, sie könnte jedoch besser gepflegt werden. Von seinem Nachlass scheint nur einiges in das Bergener Kirchenarchiv gelangt zu sein.

Wir achten und ehren in Friedrich Carl Arndt und in Johann Jacob Grümbke zwei rügensche Persönlichkeiten, deren Streben dem gesellschaftlichen Fortschritt, der Freiheit und Würde des Menschen galt.

Aus Strandgut ein Hotel gebaut

(OZ v. 24.6.1987)

Zu den ältesten Gasthäusern in Sassnitz gehört auch der 1870 umgebaute alte Dorfkrug in der Friedrich-Karl-Straße, der dann als „Böttchers Hotel“ eröffnet und bereits 1934 als Wohnhaus genutzt wurde. 1898 empfahl man die großen Veranden, die herrliche Aussicht auf See und die vorzügliche Verpflegung. Der Inhaber Otto Böttcher hatte übrigens neben dem Hotel am Fahrnberg“ als einziger Telefonanschluss.

Die Entstehungsgeschichte des „Hotels am Fahrnberg“ ist auch etwas kurios. 1866 strandete bei Sassnitz ein holländisches Schiff, das mit Eichenholz beladen war. Um es nach geltendem Strandrecht auf Sassnitzer Strand zu holen, befestigte ein mutiger Schwimmer, Julius Böttcher, bei schwerem Seegang eine Leine am Schiff. Das Holz erwarb der Baumeister Paulsdorf aus Bergen, der 1869 davon das “Hotel am Fahrnberg“ erbaute. Es war „das“ Hotel, das ausschließlich von begüterten Kreisen aufgesucht wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor es an Bedeutung, da man nun auch die Hotels und Villen direkt am Meer bevorzugte.

Sassnitz, Überreste Hotel Fahrnberg 2008

Sassnitz, Überreste Hotel Fahrnberg 2008

Sassnitz wurde zunächst von Adelskreisen, besonders Offizieren mit ihren Familien, aufgesucht. Es waren diejenigen, die besonders an den preußischen Kriegen zwischen 1864 und 1871 verdient hatten. Auch die Kaiserliche Familie weilte mehrmals in Sassnitz, und am Uskan errichtete ein Prinz Blockhäuser (die „Prinzing Blockhäuser“ genannt wurden).

Bekanntester Gast war ja 1878 Johannes Brahms. Auch Theodor Fontane weilte hier und verewigte den Ortsteil Crampas in seinem Roman „Effi Briest“ (Major von Crampas).

Nach 1919 setzte sich ein bürgerliches Publikum durch, und die vielen schwarz-rot-goldenen Fahnen gaben Sassnitz den Beinamen „rotes“ Sassnitz (im unterschied zu Binz). 1925 hatte der Ort mit 25 600 Badegästen einen absoluten Höhepunkt.

Krieg und Nachkriegszeit mit der Aufnahme zahlreicher Umsiedler sowie veränderte Badegewohnheiten beendeten die Geschichte des Ortes Sassnitz als Badeort. Zahlreiche, noch im Baustil der Gründerjahre errichtete Villen und Hotels künden von jener Zeit. Besonders gut erhalten und geschmackvoll modernisiert sind das ehemalige „Hotel Viktoria“ in der Seestraße (später VEB Fischfang Sassnitz) oder der „Lindenhof“ (später Jugendclub) in der Bergstraße. So erhofft man sich auch für weitere Gebäude stilechte Rekonstruktionen in der Verantwortung für historisch Gewachsenes und ihrer Nutzung in unserer Gegenwart.

 

Vor 70 Jahren kam Krampas zu Sassnitz

(OZ v. 1.4.1976)

Ein historischer Rückblick

Einer der traditionellsten Badeorte Rügens begeht am 1. April ein Jubiläum, das uns Anlass zu einem kurzen historischen Rückblick sein soll: vor genau 70 Jahren vereinigten sich die damaligen Gemeinden Krampas und Sassnitz zu einem Ort.

Das eigentliche Sassnitz (vermutlich vom slawischen Wort Sosna – die Kiefer – herzuleiten) entstand in einer Uferschlucht des Steinbaches als ein Fischerdorf, dessen Bewohner auch als Waldarbeiter Kreidewerker und Torfstecher ihren kargen Lebensunterhalt verdienten. In unmittelbarer Nähe, etwa auf dem Plateau des heutigen Fischereihafens gelegen, befand sich das kleinere Bauerndorf Krampas, dessen Bewohner nebenher etwas Fischerei betrieben.

Die Bevölkerung beider Orte war bereits in früher Zeit durch Heiraten „zu einer einzigen großen Familie“ verwachsen, wie ein Reisender um 1860 schrieb. Mit der weiteren Entwicklung wurden die getrennten Verwaltungen und entstehenden Rivalitäten als konkurrierende Badeorte zu einem Hemmschuh. Nach längerem Bemühen erfolgte dann am 1. April 1906 die Zusammenlegung beider Orte unter dem Namen Sassnitz. Der neue Ort besaß damals 2481 Einwohner und konnte nun Kanalisation und Wasserleitungsbau abschließen. (1908). Elektrisches Licht besaß Sassnitz bereits einige Jahre vor Bergen (1896).

Sassnitz, historische Aufnahme 1911

Sassnitz, historische Aufnahme 1911

Der Ortsname Krampas ging zwar verloren, fand aber Eingang in der Weltliteratur. So benannte Theodor Fontane, der Sassnitz aufsuchte, eine der Titelfiguren seines Romans „Effi Briest“ (Major von Crampas) nach ihm.

Der Beginn von Sassnitz als Badeort wird wohl aus lokalpatriotischen Gründen sehr früh mit dem Jahre 1824 verbunden. Damals verlebte hier der Berliner Prediger Friedrich Schleiermacher , eine der bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Zeit, mit seiner Familie einige Wochen.

Eingehende Schilderungen verdanken wir dem Neubrandenburger Naturforscher Ernst Boll, der zwischen 1844 und 1857 das Seebad Krampas mehrfach aufsuchte. 1857 besaß Saßnitz etwa 200 Badegäste, während das ursprünglich bedeutendere Krampas nur fünf zählte.

Vor allem die reizvolle Umgebung, die günstige klimatische Lage und die Entwicklung des Hafens als „Tor des Nordens“ machten Sassnitz zum größten und exklusivsten Badeort Rügens um die Jahrhundertwende.

Sassnitz, Seebrücke 2008

Sassnitz, Seebrücke 2008

Das Publikum gehörte natürlich den begüterten Schichten der Bevölkerung an, von denen bereits Ernst Boll Beamte, Militärs, Kaufleute Rentiers und die „Menge des Adels“ als dominierend hervorhob- Seit 1878 gesellten sich auch Angehörige der kaiserlichen Familie hinzu. So hatte sich Sassnitz zu einem mehr oder weniger feudalen Bad entwickelt, dessen Kurleben als „elegant, zum Teil geräuschvoll und ziemlich teuer bezeichnet wurde. Da ein eigentlicher Sandstrand fehlte, konzentrierte sich alles auf die Strandpromenade mit dem Kurpavillon Miramare und den Hafen mit seinem lebhaften Bootsverkehr. 1912 besaß der Ort bereits 26 000 Gäste. Das entsprach einem Viertel aller Rügenschen Badegäste!

Rügener Burgen – Zeugen alter Kulturen

(OZ v. 10.9.1976)

Zu den sichtbaren Zeugen vergangener Zeiten und Kulturen gehören auch die gewaltigen Burgwälle aus der slawischen Periode des 7. bis 12. Jahrhunderts. Es sind hoch aufgeschüttete Erdwälle mit einer rundlichen oder viereckigen Innenfläche, von denen noch zwölf Anlagen auf Rügen erhalten sind und unter strengem Denkmalschutz stehen.

Der eigentliche Wall ist als Holz-Erd-Mauer in der typischen Kastenkonstruktion mit vorgelagerte Gräben, Palisaden und Brüstung errichtet, wie Ausgrabungen in Garz und auf Arkona nachweisen. Diese oft beträchtlich großen Burgen nutzten natürlichen Schutz aus und waren mitunter – wie Arkona, Gobbin, Schaprode, der „Hengst“ bei Saßnitz und Zudar – direkt an der Küste gelegen. Nur wenige befinden sich im sumpfigen Gelände des Landesinneren (Garz, Venz, Karow) oder auf Berghöhen (Rugard, Schlossberg bei Saßnitz, Hertaburg).

Schnitt durch den Burgwall am Herthasee, Kreidezeichnung 1869

Schnitt durch den Burgwall am Herthasee, Kreidezeichnung 1869

Diese Burgen dienten seit dem 10. Jahrhundert in Kriegszeiten den auf Rügen ansässigen slawischen Stämmen der Ranen als Fliehburgen und wurden schließlich politische Zentren kleiner Burgbezirke, wie bei Rambin, Schaprode, Wiek auf Wittow, Kapelle bei Sagard für Jasmund usw. Unter ihrem Schutz hielt man Markt und Gericht. Diese Orte behielten ihre zentrale Bedeutung teilweise als Städte – wie Garz und Bergen – oder als Marktorte und Großgemeinden bis in die Gegenwart.

Burgwall „Jaromarsburg“ bei Kap Arkona 1972, (Aufnahme: Harro Schack, Sagard)

Burgwall „Jaromarsburg“ bei Kap Arkona 1972, (Aufnahme: Harro Schack, Sagard)

Die Tempelburg auf Arkona entstand frühestens im 9. Jahrhundert und gilt als die bekannteste Befestigung Rügens, da hier das im südlichen Ostseegebiet verehrte Heiligtum des Gottes Swantewit stand. Ein beträchtlicher Teil der Anlage, wohl auch der Tempel, versank in den Fluten der anstürmenden Ostsee. Die Burgstätte wird heute zwar von Tausenden Besuchern aufgesucht. Zahlreiche Kletterpfade fügen der Rasenfläche schwere Schäden zu, die in Zukunft verhindert werden sollten.

Der zweite bedeutende Burgwall befindet sich im Stadtgebiet Garz, dem alten Charenza. In slawischer Zeit standen hier die Tempel von drei Göttern. Beide Burgen wurden 1168 durch die Dänen erobert. Allerdings ist diese Deutung in jüngster Zeit umstritten worden. Während Arkona bedeutungslos wurde, entwickelte sich allerdings Garz zum rügenschen Fürstensitz. Hier erhielt Stralsund 1234 Stadtrecht.

Für die Touristen und Urlauber bildet die „Herthaburg“ in der Stubnitz die größten Geheimnisse und Rätsel. Es ist aber weniger bekannt, dass fast alle „Geschichtchen“ und Sagen mit der Göttin Hertha auf die Phantasie eines Wissenschaftlers des 17. Jahrhunderts zurückzuführen sind. Dieser übertrug die Berichte des römischen Historikers Tacitus, der im 1. Jahrhundert lebte, von einer germanischen Göttin Nerthus auf diese Stätte. Jedoch wurde auch diese Burg erst im 10. bis 12. Jahrhundert von den Slawen erbaut. Übrigens ist der in der Nähe gelegene Königstuhl bereits 1584 genannt und verdankt seinen Namen nicht irgendwelchen dänischen oder schwedischen Königen, die hier Seegefechte beobachtet haben sollen, sondern seiner majestätischen und erhabenen Lage und Erhebung. So gibt es auch in ähnlicher Lage auf der dänischen Insel Möen einen Königstuhl (dronning Stole) und in der Pfalz einen „Kaiserstuhl“.

In slawische Zeit gehört auch die alte Landwehr des „Mönchgrabens“ bei Baabe, die nicht von den Mönchen, sondern von den Wenden zur Abwehr aus Süden eindrängender Feinde errichtet wurde. Es ist typisch für die rügensche Geschichte, dass Burgen und Befestigungen des kleinen Landadels aus dem 14. bis 16. Jahrhundert fehlen. Befestigt waren die Schlösser und Höfe bei Putbus und Vilmnitz. Erst mit dem Dreißigjährigen Krieg und den folgenden Kriegen zwischen Dänen, Schweden und Preußen um den Besitz Rügens entstanden Schanzen Redouten u. ä. bei Juliusruh (Park), Binz (Steilufer), Prosnitz (bis 19. jahrhundert als Fort Napoleon) oder Altefähr (Steilufer). Zeugen dieser Kämpfe sind auch Gedenksäulen bei Groß Stresow und Neukamp.